Cover & Klappentext
Ein traumhaftes Cover, das nicht nur durch die Farbgebung fasziniert, sondern auch durch die Details. Es gefällt mir sogar noch besser als jenes von Band eins.
Der Klappentext hat mich nach Ende des ersten Teils zusätzlich neugierig gemacht. Aber auch unabhängig davon war für mich klar, dass ich die Fortsetzung lesen werde.
Meinung
Nachdem der Krieg, dank Meilin, gewonnen wurde, erwartet sie keineswegs Ruhm und Ehre. Stattdessen schwebt sie als Gefangene des Königs zwischen Leben und Tod. Selbst als sie den Kerker verlassen darf, ist sie nicht frei.
Während der Drachengeist zusätzlich an Kraft gewinnt, wird Meilin zum Spielball der Mächtigen. Jeder versucht, mit ihrer Hilfe die eigene Agenda voranzutreiben.
Doch Meilin lässt sich auf Dauer weder benutzen noch einsperren. Dafür ist ihr ihre Freiheit viel zu wichtig. Und so muss sie entscheiden, ob sie bereit ist, dafür Opfer zu bringen, die sie alles kosten könnte.
Ich habe den ersten Band erst vor Kurzem gelesen und hatte dementsprechend keine Probleme, in die Fortsetzung zu finden, obwohl für alle anderen ein Glossar mit allen Namen und Zuordnungen geholfen hätte. Auch hier wird man aus der Sicht von Meilin durch das Geschehen geführt.
Schon der erste Teil hat mich in seinen Bann gezogen. Der Anfang erinnerte stark an Mulan und entwickelte sich dann völlig anders. Meilin hat mich sofort fasziniert. Sie ist keine typische Heldin. Trotz ihres jungen Alters will sie mehr, obwohl ihr Bescheidenheit und Zurückhaltung beigebracht wurde. Und zwangsverheiratet werden soll, setzt sie alles auf eine Karte und mischt sich als Junge verkleidet unter das Herr, das im tödlichen Krieg der drei Königlande Schlachten schlägt. Dank der Jade von ihrer Mutter hat sie Zugang zu einem Drachengeist, dessen Macht sie in die Abhängigkeit führt.
Hier gefällt mir besonders, dass Meilin als Frau nach Ruhm und Ehre strebt. Sie trägt nicht nur positive Eigenschaften in sich, sondern giert geradezu nach Macht. Dabei droht sie, sich selbst zu verlieren. Und während sie gegen diverse Widrigkeiten kämpft, kämpft sie auch gegen sich selbst. Das wurde fantastisch umgesetzt.
Der Schreibstil ist angenehm und geschmeidig. Allerdings gab es ein paar wenige Sätze, die keinen Sinn ergaben, was vermutlich an der Übersetzung lag, sodass ich aus dem Lesefluss gerissen wurde. Dabei ist es wichtig, dranzubleiben. Diese Story liest man keineswegs nebenbei als unterhaltsame Lektüre, sonst besteht die Möglichkeit, dass man den Anschluss verliert. Hier muss man bewusst eintauchen, um zwischen Palastintrigen, Zuneigung und tödlicher Gefahr die kleinen Nuancen zu erkennen.
Im zweiten Band finden sich alte Bekannte und neue Charaktere, die man erst einschätzen muss. Manche wurde auch gar nicht mehr erwähnt. Natürlich nehmen Tiantang und Cao Ming Lei erneut viel Raum ein. Mit Ersterem hatte ich immer meine Schwierigkeiten, während Lei einfach nur interessant war. Schwer einschätzbar, grenzüberschreitend, aber auch zugänglich. Die Dynamik zwischen den drei wurde toll herausgearbeitet. Allerdings besteht diese Story aus weitaus mehr als nur romantischen Verwicklungen. Eine neue Bedrohung zieht auf, die das Menschenreich zu vernichten droht.
Auch dieser Teil baut sich langsam auf und nimmt dabei deutlich an Fahrt auf. Vielleicht war es gelegentlich ein wenig zu schnell, weil man von Szene zu Szene springt. Gleichzeitig macht es aber die Eindringlichkeit klar, denn nicht nur Meilin läuft die Zeit davon. Das generiert sehr spannende Abschnitte, die den Leser noch stärker in die Story binden.
Nach so einer abenteuerlichen Reise hätte ich mir ein entspannten Ausklang gewünscht, der länger währt, als es hier der Fall ist. Das Ende hat mich insgesamt etwas unbefriedigt zurückgelassen. Ich hätte mir mehr Frieden gewünscht.
Fazit
Eine asiatische Ausnahme-Fantasy, die bildgewaltig, atmosphärisch und eindringlich nachwirkt. Gerade der Kampf im Inneren sorgt für Tiefgang, während die spannenden Szenen das Tempo bestimmen.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung