Fang Fang hat mich schon mit Glänzende Aussichten begeistert, so dass ich Ich geh jetzt los und bring mich um unbedingt lesen wollte.
He Hanqing lebt in Wuhan im Haus ihrer Schwiegereltern, zusammen mit ihrem Mann und der Schwägerin. Ihr Sohn ist bereits erwachsen und studiert. Als Schwiegertochter ist sie ganz selbstverständlich für den gesamten Haushalt zuständig, die Familie behandelt sie von oben herab. Ihre eigenen Bedürfnisse zählen nichts, selbst beim Toilettengang muss sie anderen Familienmitgliedern Vorrang gewähren. Hanqings Verzweiflung wächst, und als die Demütigungen immer mehr werden, reift ein Entschluss in ihr.
Fang Fang schreibt klar, nüchtern und radikal direkt über eine patriarchal und hierarchisch geprägte Gesellschaft, in der das Individuum nichts zählt und ein Mensch nur nach seinem Nutzwert bemessen wird. In 160 Seiten packt Fang Fang die Auswirkungen der Kultur-Revolution, strukturelle ökonomische Probleme und Kritik an einer Gesellschaft, in der Frauen eine sozialen Kälte entgegenschlägt, die einen beim Lesen frösteln lässt.
Ich fand es spannend, Hanqings Gefühle und Gedanken zu folgen, die ihren Zwiespalt sichtbar machen: Sie ist gefangen zwischen den Wunsch, der familiären Ausbeutung zu entkommen, und ihrer Verwurzelung in den gesellschaftlichen Normen und traditionellen Erwartungen, die an sie gestellt werden.
Ein von Anfang bis Ende großartiger Roman, der sehr nachdenklich macht.