Als Schwester Agnes keine Briefe mehr von ihrer Freundin Frieda bekommt, die zur Erholung in das Küstenstädtchen Gore-on-Sea geschickt wurde, verlässt sie nach 30 Jahren als Nora Breen das Kloster, um Frieda zu finden. Ihre Suche führt sie in die Pension Möwennest, aus der Frieda verschwand. Es ist ein heruntergekommenes Haus, mit furchtbar schlechtem Essen und merkwürdigen Menschen. Nachdem es in der Pension auch noch Todesfälle gibt, die Nora verdächtigt vorkommen, beginnt sie zu ermitteln. Dabei lernt sie Detective Inspector Rideout kennen, dem sie gehörig auf die Nerven geht. Bei ihren Befragungen ist sie manchmal nicht gerade zimperlich, was ich sehr amüsant fand. Sie kommt so einigen Geheimnissen auf die Spur und wird auch an ihre eigenen erinnert.
Nora genießt ihr neues, aufregendes Leben außerhalb des Klosters und hat sich sehr schnell angepasst. Aber manchmal kommen ihr auch Zweifel, ob es richtig war, ihr ruhiges und behütetes Leben aufgegeben zu haben. Sie ist mir sehr sympathisch, wirkt keineswegs weltfremd und geht sehr entschlossen vor, kann dabei einfühlsam, aber auch ruppig sein.
Die anderen Charaktere, hauptsächlich die Pensionsbewohner, werden sehr gut dargestellt. Sie sind lebendig, eigenwillig beschrieben und tragen mit skurrilen Eigenheiten zur düsteren Atmosphäre bei.
Der Schreibstil ist humorvoll und atmosphärisch. Die Sprache verbindet Beschreibungen der Küstenlandschaft mit pointierten Dialogen und scharfsinnigen Beobachtungen. Humorvolle, leicht schräge Momente kontrastieren wirkungsvoll mit den düsteren Themen des Verschwindens und des Kriminalfalls. Die Spannung bleibt konstant, während die Erzählung flüssig und bildhaft bleibt. Es gibt neue Wendungen und neue Verdächtigte. Menschen kommen sich näher oder trennen sich. Welchem Genre das Buch angehört, ist mir ziemlich egal, mir hat es gefallen.
Wenn der Titel des Buches nicht so hervorgehoben auf dem Cover zu lesen wäre, würde es eher an eine gemütliche Tea-Time erinnern. Ich hoffe, dass Nora noch weitere Fälle lösen kann.