Wer sich bei diesem Titel an einen Film mit Jack Nicholson und eine psychiatrische Klinik erinnert fühlt, liegt grundsätzlich richtig. Nur dass wir es hier mit einer kleinen dermatologischen Privatklinik zu tun bekommen, in der Thies Detlefsons Tochter Telje ein Praktikum macht. Auch andere Ähnlichkeiten und Abweichungen sind bewusst gewollt.
Doch der Reihe nach: Bounty und seine Entourage genießen die Idylle am Strand als Annabelle Sunshine (seine vermutliche kleine Tochter) in einem Möwennest eine Urne findet. Die ist dem fliegendem Seebestatter aus dem Flugzeug gefallen und leider nicht in der See gelandet.
Blöderweise kann aus der Asche kein Rückschluss auf die Person geschlossen werden, weil die Identifizierungsmarke fehlt, allerdings findet der neu Gerichtsmediziner Hung Nguyen einen Brillanten in der Asche.
Wenig später sieht man sich in der Klinik ermitteln, denn Maxime, einer der Pfleger mit einem Hang zum Medizinschrank, ist tot. Zuvor hat er Telje gegenüber angedeutet, ihr etwas über die Forschungen und Vorkommnisse zu erzählen. Und überhaupt ist in der Klinik nicht wie in anderen Krankenhäuser. Nur wenige Patientinnen, einige davon in der Station Sieben regelrecht kaserniert, die niemals Besuch bekommen, distanziertes Personal und der ungarische Klinikchef, bei dem Telje ihre Diss schreiben will, ist auffällig oft abwesend.
Nur Brad-Pitt-Verschnitt Tom, der ein Alfa Rosso- Cabrio fährt, verhält sich wie ein Oberarzt in jedem Krankenhaus: Er lässt sich von Fenja, der (zugegeben einzigen) Krankenschwester neben Mildred anschwärmen und brät seinerseits Telje an.
Oberschwester Mildred führt ein strenges Regiment, das sie mit dem Spruch Wir legen hier Wert auf Ruhe. Das ist ein Krankenhaus und kein Nachtclub (S. 20 ff) mehrmals untermauert.
Was in diesem Krankenhaus vor sich geht, müsst ihr schon selbst lesen.
Meine Meinung:
Wie wir es von Krischan Koch gewöhnt sind, adaptiert er Titel und Stoff von Kino-Klassikern für seine Krimis, die allerdings in das beschauliche Leben von Fredenbüll eingebettet werden.
Neben dem Titel nimmt Krischan Koch auch bei den Figuren von Milós Formans Film Anleihen: Neben der Hauptfigur McMurphy finden auch Oberschwester Mildred und der baumlange Chief Bromden oder Dr. Spivy ihre Entsprechung.
Dieser 14. Fall beschert uns ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus den Vorgängern. Neu in der Runde ist der Gerichtsmediziner Hung Nguyen, der die Speisekarte der Hidde Kist mit vietnamesischen Spezialitäten bereichert. Zudem wird er auf Teljes Dating-List aufgenommen, obwohl ihre Mutter Heike eher Jugendfreund Tjark als Schwiegersohn favorisiert. Doch die Entscheidung muss vertagt werden, gilt es doch eine Diss zu schreiben.
Schmunzeln musste ich über Oma Ahlbeck und ihrem Kurt, deren neueste Lieblingssendung True Traffic ist, in der man Staus aus ganz Deutschland und über die Grenze hinaus bis zum Brenner in Echtzeit sehen kann. Dabei entdecken sie nicht nur Ole Mathiesen (ihr wisst schon, der der im Dixi-Klo eingesperrt war) sondern auch ein rotes Cabrio.
Das Cover passt perfekt zu den 13 anderen Krimis.
Fazit:
Ein herrlich skurriler Cosy-Krimi, der mich bestens unterhalten hat, weshalb er 5 Sterne und eine Leseempfehlung erhält. Die gilt übrigens für die ganze Reihe, die am besten von Band 1 gelesen werden sollte.