Ich habe von Laura Willud bereits gerne die Hopeville Dragon-Reihe gelesen und als ich nun ihre neue Blue Sparrow Girls-Reihe entdeckt habe, war mir sofort klar, dass ich da auch reinlesen werde. Vom Collegesport wechseln wir diesmal zur Musik und dafür geht es nach Nashville, wo die Autorin auch einen Aufenthalt hatte, der sie sehr inspiriert hat. Bin auch ich von The Melody of You and Me inspiriert?
Das Buch ist sehr stark von einer Trauerthematik bestimmt. Unsere Protagonistin Olive hat ihre Mutter erst kürzlich verloren und es ist ein wirklich schwerer Einstieg, aber auch etwas, woraus man gut ableiten kann, was ihre Motivation für den großen Umzug ist. Ich finde auch über die gesamte Länge betrachtet, dass sich die Gestaltung des Trauerprozesses sehr echt angefühlt, aber vielleicht auch zu echt. Mit Merrit Niemeitz kenne ich eine Autorin, die der Poesie des Gedankenflusses eine ganz eigene Note mitgeben kann. Das ist dann nicht die Sache von allen, das ist auch klar, aber man kann sich gut darauf einlassen. Aber in den ausgiebig geschilderten Gedankenprozessen braucht es auch mal Tempo und Action. Das ist eigentlich das, was ich diesem Auftakt als Nachteil auslegen möchte. Denn gerade wenn ein bisschen Stimmung reinkam, im Sinne von, es passiert etwas, dann wurde es sofort wieder ausgebremst, weil sich beide Figuren im Denken verlieren. Ich bin bei einer gesunden Mischung dabei, wenn beides mir etwas gibt und vielleicht sogar genau in der Waage liegt. Hier wurde es aber manchmal unnötig träge, zumal dann einige Gedankengänge auch sehr wiederholend wirkten.
Ich finde diesen Eindruck deswegen so schade, weil ich eigentlich alles andere sehr mochte. Klar, die WG-Regel war etwas übertrieben, aber ansonsten mochte ich die beiden WGs auf ihre Art und Weise. Ich mochte die Vorstellung mit der Dachterrasse, ich mochte die wenigen Ausflüge sehr, ich mochte auch die Songtexte sehr. Die ganzen gewählten Zutaten waren stimmig und da ich auch schon einige Serie gesehen habe, die in New Orleans spielen, fühlte es sich auch sehr authentisch an, weil die Stadt atmet Musik an jeder Ecke. Es hätte von allem noch etwas mehr sein können. Noch mehr Erkunden der Stadt durch Olive, noch mehr gemeinsame Momente von ihr und Drew. Ich hätte auch ihn gerne etwas mehr ausgearbeitet gehabt. Ich fand seine Frühstücksbrunche mit seinen Eltern ganz toll. Es hat mich an eine eigene Familientradition erinnert und auch die ganzen Diskussionen, das Aufziehen, das war wunderbar zu lesen. Aber bis auf die anfängliche Entdeckung von ihm, war es mehr Olives Geschichte. Ich hätte mir noch mehr Herausforderungen für Drew gewünscht. Denn auch wenn er aus einer intakten Familie kommt, aber ich kann mir dennoch gut vorstellen, dass er sein Päckchen zu tragen hat.
Das Buch ließ sich unter dem Strich wirklich fix lesen. Auch wenn ich mich erwischt habe, dass ich bei den längeren Gedankenszenen mal etwas vorweg gehuscht bin, aber der Schreibstil passt. Eine Verbundenheit zu den Figuren war stets da. Es gab Humor und auch die Gruppenchats hatten eine wohltuende Dynamik. Ich werde den zweiten Band definitiv auch lesen, weil auf ihn auch schon hingearbeitet wurde.
Fazit: Der Auftakt zu den Blue Sparrow Girls war insgesamt gelungen. Nashville als Ort für die Thematik ist genau richtig gewählt. Gerade die Schreibprozesse von Songs waren auch ein Highlight, sodass die thematischen Entwicklungen gut zum Setting passten. Ein bisschen mehr dynamische Handlung hätte gut getan, ein bisschen mehr Drew wäre noch ein Bonus gewesen, aber ansonsten habe ich ein echt fix zu lesendes Liebesabenteuer bekommen.