Adelaide Lacroix ist immer in Bewegung. Zwischen Sportstudium, Fitnesskursen im Mont Lacroix und ihrem anspruchsvollen Praxissemester bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Doch als ihr Trainingspartner kurzfristig abspringt, scheint ihr sorgfältig ausgearbeitetes Projekt zu scheitern. Da begegnet sie ausgerechnet Graf Julian von Lindenburg - kurz Jules -, der vor einer arrangierten Hochzeit mit seiner royalen Ex-Freundin ins Mont Lacroix geflüchtet ist. Die beiden schließen einen Deal: Jules wird Addis Trainingspartner, wenn sie im Gegenzug seine Fake-Freundin spielt. Was zunächst wie eine einfache Abmachung beginnt, entwickelt sich schon bald zu etwas, das sich immer echter anfühlt.
Nachdem mich bereits Longing for Lelibeth begeistert hatte, habe ich mich unglaublich auf die Rückkehr ins Mont Lacroix gefreut und genau dieses Gefühl beschreibt das Buch für mich am besten: Es ist, als würde man nach Hause kommen. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder komplett in dieser Welt angekommen, als wäre zwischen Band eins und zwei überhaupt keine Zeit vergangen. Alexandra Flint schafft es erneut, dass sich das Hotel nicht einfach wie ein Handlungsort anfühlt, sondern wie ein Zuhause. Ein Ort voller Wärme, Geborgenheit und Menschen, die füreinander da sind. Dieses Wohlfühlsetting ist für mich nach wie vor das Herzstück der Reihe und ich habe jede einzelne Seite genossen. Gerade die Mischung aus Eleganz und familiärer Herzlichkeit macht das Mont Lacroix für mich zu einem der schönsten Settings, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es wirkt nie künstlich luxuriös, sondern lebendig und voller Charakter.
Alexandra Flints Schreibstil hat mir - wie bereits im ersten Band - wieder ausgesprochen gut gefallen. Er liest sich leicht, flüssig und gleichzeitig unglaublich bildhaft. Sie findet schöne Worte für Emotionen und schafft es, Figuren und Stimmungen so greifbar zu machen, dass man vollkommen in der Geschichte versinkt. Gleichzeitig verliert sie sich nie in unnötigen Längen, sondern hält die Balance zwischen ruhigen, emotionalen Momenten und spannenden Entwicklungen.
Adelaide hat mich in diesem Band besonders überrascht. Bereits im ersten Teil fand ich sie interessant, aber hier durfte man sie endlich wirklich kennenlernen. Sie ist eine unglaublich starke junge Frau, gleichzeitig aber auch ruhelos, nachdenklich und ständig auf der Suche nach dem nächsten Ziel. Anfangs wirkt dieses Bedürfnis nach Bewegung fast rastlos, doch je mehr man über ihre Vergangenheit und ihre Beweggründe erfährt, desto verständlicher wird ihr Verhalten. Gerade diese Entwicklung fand ich unglaublich gelungen. Man versteht nach und nach, warum sie niemals stillstehen kann, und begleitet sie dabei, langsam zu lernen, dass Stärke manchmal auch bedeutet, innezuhalten.
Jules war für mich ebenfalls ein wunderbarer Protagonist. Hinter seinem Titel als Graf steckt kein arroganter High-Society-Charakter, sondern ein ruhiger, warmherziger und unglaublich sympathischer Mensch. Sein innerer Konflikt hat mich sehr berührt und fühlte sich für mich absolut authentisch an. Er steckt zwischen seinen eigenen Wünschen und dem Gefühl fest, Verantwortung für seine Familie, insbesondere für seine Schwester, übernehmen zu müssen. Seine Zerrissenheit wirkte jederzeit glaubwürdig und nachvollziehbar.
Die Chemie zwischen Adelaide und Jules hat für mich hervorragend funktioniert. Obwohl sich ihre Beziehung verhältnismäßig schnell entwickelt, fühlte sie sich nie überstürzt an. Vielmehr entsteht ihre Nähe ganz sanft und beinahe unbemerkt. Beide verbringen viel Zeit miteinander, unterstützen sich gegenseitig und geben einander genau das, was dem jeweils anderen fehlt.
Überhaupt mochte ich den Fake-Dating-Trope hier sehr gern. Er wirkte nicht konstruiert, sondern ergab sich logisch aus der Handlung und bot viele schöne, humorvolle und emotionale Momente. Gleichzeitig blieb die Geschichte aber nie ausschließlich romantisch. Rund um Jules' bevorstehende Hochzeit und die Hintergründe seiner Familie entwickelt sich ein Spannungsbogen, der mich bis zum Ende gefesselt hat. Nach und nach werden immer neue Informationen enthüllt, ohne zu früh zu viel zu verraten.
Auch die Hintergründe von Adelaides Verhalten bleiben lange rätselhaft, sodass ich ständig mitgerätselt habe.
Gerade dieser Spannungsaspekt hat für mich im Vergleich zum ersten Band noch einmal deutlich zugelegt und sorgte dafür, dass für mich zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkam.
Ein weiteres großes Highlight bleiben für mich die Nebencharaktere. Genau wie schon im ersten Band verleihen sie der Geschichte unglaublich viel Herz. Theo sorgt mit seiner chaotischen Art immer wieder für lockere Momente, während Lelibeth, Dante und die übrigen Familienmitglieder sofort wieder das vertraute Gefühl vermitteln, alte Bekannte wiederzutreffen. Besonders diese enge Verbundenheit zwischen der Familie und den Mitarbeitenden macht die Reihe für mich so besonders. Das Mont Lacroix lebt von seinem Found-Family-Gefühl, davon, dass dort jeder füreinander einsteht und sich gegenseitig unterstützt.
Fazit
Mit Falling for Adelaide konnte Alexandra Flint für mich den ohnehin schon starken Auftakt sogar noch übertreffen. Vor allem der spannendere Handlungsverlauf, die großartige Entwicklung von Adelaide und Jules sowie das Wiedersehen mit dem Mont Lacroix haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Es fühlt sich wirklich an wie eine Rückkehr nach Hause: in ein Hotel voller Wärme, Geborgenheit und Menschen, die man inzwischen selbst ins Herz geschlossen hat.