Im ersten Band dieser Dilogie lernen wir die Halbdämonin Lilian kennen, die es nie wirklich leicht in ihrem Leben hatte. Aufgrund ihres dämonischen Erbes wird sie eher gemieden und wuchs in der Obhut eines Ordens auf, von dem sie sich auch als Dämonenjägerin ausbilden ließ. Obwohl sie sich eigentlich nicht von den anderen unterscheidet (bis auf die zwei kleinen Hörner auf ihrem Kopf, die aber nur die Ordensmitglieder sehen können), muss sie um ihr Leben bangen, denn der Orden entscheidet, ob sie weiterleben darf oder ob sie zu gefährlich für die Welt sein könnte und sterben muss.
Ich konnte hier wirklich gut mit Lilian fühlen, die Autorin schafft es wirklich meisterhaft, Lilians Gefühlswelt an den Lesenden zu vermitteln. Und zusätzlich dazu ist Lilian einfach nur mega sympathisch und tappst wie jeder andere auch mit ihren Problemen durchs Leben.
Auch sehr gut fand ich die Gefühle zwischen ihr und ihrem besten Freund Jupiter. Diese besondere Beziehung zwischen den beiden war dauerhaft greifbar und zum Dahinschmachten. Insbesondere die Tatsache, dass beide genau wissen, was sie füreinander empfinden, machte es für mich mal herrlich erfrischend, da man hier eben mal nicht die typische Liebesbeziehung hat, die sich erst nach und nach aufbaut. Nein, sie ist hier quasi direkt da, die beiden stehen schon vor dem letzten Schritt, wenn da nicht noch eine gewisse Ungewissheit wäre.
Die Geschichte wird hier aus Lilians und Jupiters Perspektive erzählt. Nach dem bereits im Klappentext angedrohten Tod Lilians, wechseln wir von da an auch immer wieder zu Jupiter. Auch Jupiter mochte ich sehr. Und auch bei ihm erleben wir seine Gefühle mit und auch diese waren für mich gut nachvollziehbar, sowie auch sein ganzes Handeln.
Doch auch eine dritte Perspektive bekommen wir hier noch geboten, nämlich die von Lucifer. Wie auch hier schon im Klappentext angedroht, braucht Jupiter Lucifer, um Lilians zurück zu holen und muss sich seinen Körper mit dem Dämon teilen.
Der Wechsel zwischen Jupiter und Lucifer sorgt hier gut für Verwirrung bei Lilian und gute Unterhaltung bei uns Lesenden. Doch mit Lucifer hab ich so meine Kritikpunkte. Denn leider gibt Lucifer nicht viel über sich preis. Man erfährt nicht so wirklich, was seine Geschichte, seine Vergangenheit ist, es gibt nur vage Andeutungen, die einem aber nichts bringen. Auch seine Ziele blieben im Dunkeln und seine aufkommenden Gefühle für Lilian konnte auch so gar nicht nachvollziehen. Umgekehrt übrigens genauso. Ich hab leider nicht verstanden, warum Lilian ihn plötzlich toll findet, nur weil er auch mal nett zu ihr ist. Das hab ich so gar nicht gefühlt.
Das Buch weiß gut zu unterhalten und doch kommt man handlungstechnisch nicht so gut voran, wie man es gerne hätte. Auch um Lilians Existenz ranken sich Geheimnisse und Lucifer bleibt auch hier ziemlich wortkarg.
Und gerade deswegen freue ich mich nun auf den nächsten Band und hoffe dort auf die ganzheitliche Erleuchtung. Das fiese Ende tut da sein übriges.
Wer eine Welt, in der ein Orden Dämonen bekämpft, die etwas düsterer ist als gewohnt und morally greye Charaktere liebt, ist hier definitiv gut aufgehoben. Mich haben diese Welt und die Dynamik zwischen den Charakteren gut packen können, auch wenn es hier ein paar Schwächen gab. Dieser erste Band wirkt wie die Vorbereitung auf ein großes Finale - man darf gespannt sein.