Den ersten Band der Dragenbound-Reihe von Marie Niehoff fand ich wirklich großartig und habe voller Überzeugung die vollen fünf Sterne gegeben. Die anderen beiden Bände haben das für mich nicht mehr erfüllen können, auch weil ich den Eindruck habe, dass es zum einen zu viele intime Szenen gab und dass es zum anderen zu oft moralisch fragwürdig wurde. Trotzdem wollte ich die neue Reihe, die mit Lucifer Ascending startet, unbedingt lesen und es hat mir tatsächlich eine wichtige Erkenntnis geliefert.
Mit dem Klappentext von Lucifer Ascending war ich schon etwas verwirrt. Zum einen fand ich, dass unheimlich viel vom Inhalt schon verraten wird, was in der Hörbuchversion vier Stunden ausmacht, zum anderen wurden die moralischen Grauzonen betont. Ja, das war jetzt nicht unbedingt eine ideale Voraussetzung und das hat sich leider durch die gesamte Handlung dann gezogen. Zunächst ist mir früh aufgefallen, dass die Welt hier von Niehoff sehr eng erzählt wird. Das hat sich deutlich von der Dragenbound-Reihe abgehoben. Dort spielte zwar der erste Teil auch sehr eng, aber man hat die große Welt dahinter erahnt und letztlich hat sich die Autorin auch etwas übernommen, um dem angedeuteten Potenzial dann gerecht zu werden. Hier sind die Voraussetzungen dann doch ganz anders, denn wir haben sehr, sehr wenig Figuren und viel spielt sich auch in einem engen Handlungsrahmen ab. Und dafür dann 15,5 Stunden Hörbuch, das finde ich zu langgezogen und so kam es mir tatsächlich auch vor. Es gab natürlich Stellen, bei denen ich intensiver bei der Stange gehalten wurde, aber letztlich ist mir zu wenig für die lange Hörbuchzeit passiert.
Kommen wir nun zu den Figuren. Da die verbrachte Zeit mit Yessa und Cassim noch nicht lange her ist, war ich doch froh, dass es anders wirkte. Lilian war ganz anders. Auch wenn sie sicherlich zu Beginn des Buchs noch in eine Art Cinderella-Schlaf steckte, aber bei ihr gab es von Anfang an Andeutungen, dass sie moralisch in der Grauzone unterwegs ist. Jupiter wirkte mir da fast schon zu brav, aber das war sicherlich auch gewollt, um den größeren Unterschied zu Lucifer zu haben. Ich musste bei der Ausgangssituation ja doch auch schmunzeln, weil ich viel an die Serie Lucifer von Fox gedacht habe. Dort ist die Figur Lucifer aber viel humorvoller dargestellt und deswegen hat er mich auch trotz seiner Arroganz überzeugen können. Aber hier fand ich das Dreieck aus Lilian, Jupiter und Lucifer einfach nur anstrengend. Ich lese im Grunde kein Dark Romance, kann mir aber schon vorstellen, dass diese Reihe sich dem Genre noch mehr annähert, als es Dragenbound getan hat. Romantasy ist für mich hier nicht mehr die erste Assoziation. Ich will auch nichts verurteilen, aber zusammengenommen mit meinem ersten Kritikpunkt bleibt so einfach der Eindruck, dass extrem wenig passiert ist und wir uns dafür sehr um dieses Dreieck drehen. Aber auch ansonsten werden moralische Fragen aufgestellt, die dann zu Dämonen etc. passen und da habe ich wieder erneut gemerkt. So gestaltet sagt mir das leider einfach nicht zu. Niehoff kann für mich schreiben, aber es zeigt sich, dass sie sich in eine andere Richtung entwickelt als das, was ich gerne lese. Und das ist okay.
Eine Sache möchte ich unbedingt noch in Bezug auf das Hörbuch loswerden. Mir hat die Geschichte jetzt nicht so gut gefallen, aber wer sich da sehr wohl fühlt, der kann das durch die Hörbuch-Version noch einmal gesteigert bekommen. Mit Chantal Busse und Louis Friedemann Thiele haben wir sehr bekannte Stimmen aus dem Genre und all das wird noch durch Leonard Hohm ersetzt. Hier hat mir zunächst gefallen, dass die Männerstimmen sehr unterschiedlich sind, auch das unterstützt den großen charakterlichen Unterschied. Zudem teilen sich Jupiter und Lucifer ja dann einen Körper und so interagieren die beiden Stimmen auch direkt miteinander. Das war eine sehr clevere und weise Entscheidung, denn so hatte ich die beiden immer gut separiert.
Fazit: Lucifer Ascending hat mir unter dem Strich bewiesen, dass Marie Niehoff, ihre Geschichten und ich zu weit auseinanderdriften. Ich habe hier für mich zu wenig relevante Handlung bekommen und auch die Dreiecks-Prämisse hat mich nicht mitreißen können. Wer aber die Dragenbound-Reihe schon komplett super fand, der wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen.