Eine Anwältin, die gerade an einem Klimaprozess mitwirkt und ihre Herkunft von einem fränkischen Hof, der als eine Art Aussteigerkommune bezeichnet werden könnte. Das hört sich für mich nach interessanten Hintergründen für einen Thriller an. Und tatsächlich passte das Buch thematisch super zu den immer häufiger auftretenden Hitzewellen. Die heiße, trockene Atmosphäre bringt die Autorin auch mega gut rüber. Man merkt förmlich wie drückend das Klima der Geschichte ist. Allerdings musste ich mich anfangs sehr durch die vielen schweigsamen Personen und ihre Verbindung untereinander quälen, obwohl doch sehr zügig ein Mord geschieht und man absolut nicht abschätzen kann, wer diesen begangen hat. Das ist zwar ein Pluspunkt, trotzdem hätte ich beinahe im ersten Drittel aufgegeben, weil das Lesen etwa so sperrig war wie die Bewohner des Hofes, die selbst dann zusammen stehen, wenn es ihnen allgemein nicht gut tut.
Rechtsanwältin Eva, Tochter der Hofherrin konnte ich mit ihrer Abkehr von dieser Lebensweise sehr gut verstehen. Die Beziehung zu ihrer Mutter spielt eine tragende Rolle, aber auch deren scheinbar zunehmender Verlust der Kontrolle über die Vorgänge dort. Nach ca. 200 Seiten wurde das Buch für mich spannender zu lesen und hatte seinen ganz eigenen Reiz durch die wechselnden Perspektiven. Sowohl aus Evas, als auch aus Mutter Wilmas Sicht und der zweier Bewohner erfährt man nach und nach interessante Details. Teilweise mutete die Perspektive des Kindes etwas esoterisch an, leicht verwirrend. Besonders bedrückend sind die Einschübe, in denen eine Person, die man erst nicht erkennt, scheinbar in Gefahr schwebt. Das war ziemlich gruselig geschrieben und hat mir auch mal eine schöne Gänsehaut beschert. Bin insgesamt sehr zwiegespalten, was die Bewertung betrifft, daher gebe ich 3 Sterne.