Cover & Klappentext
Im Grunde vereinigt das Cover so ziemlich alles, was ich ablehne. Aber aufgrund der Illustration kann ich über die vorgegebene Optik hinwegsehen, denn zugegeben, es passt einfach. Deswegen beschränke ich mich darauf zu behaupten, dass ich einen zweiten Blick benötigte, um es ansprechend zu finden.
Letztendlich war es der Klappentext, der mich neugierig gemacht hat. Mehr als die Autorin, die mir nicht unbekannt ist.
Allerdings rückt er die Verbindung zu Vale sehr in den Hintergrund, obwohl die Story weitaus mehr zu bieten hat.
Meinung
In einer Welt, in der sich alles darum dreht, die Dunkelheit zurückzudrängen, ist Seren aufgewachsen. Dank ihrer Ausbildung zur Assassine richtet sie über jene, die das Haus zum Tode verurteilt hat. Als eine Mordserie die Macht des Hauses zu erschüttern droht, wird Seren ausgeschickt, um der Ursache auf den Grund zu gehen, doch sorgt das Echo des Rebellen Vale, den sie vor Kurzem getötet hat, für einige Ablenkung.
Während ein Verrat das Haus erschüttert, immer mehr Menschen verschwinden und die Dunkelheit näher rückt, müssen sie entscheiden, entweder zusammenzuarbeiten oder sich weiterhin zu bekämpfen.
Das ist nicht mein erstes Buch der Autorin. Sie setzt auf herausragende Fantasy mit einem Schuss Science Fiction.
Aus der Sicht von Seren wird man durch das Geschehen geführt, wobei mir der Einstieg leichtgefallen ist, trotzdem konnte mich die Story nicht sofort in ihren Bann ziehen. Das lag zum einen an den vielen Erklärungen, die zwar notwendig waren, um die erdachte Welt zu begreifen, aber gleichzeitig zu ausufernd waren. Meines Erachtens nach hätte man sie kürzen können. Des Weiteren war mir eine Verbindung zu Seren innerhalb des ersten Drittels nicht möglich. Allerdings wurde ihr Charakter so angelegt. Ihr gesamtes Leben hat sie mit Training verbracht, besaß nie Freunde und wurde permanent isoliert.
Erst als sie ausgeschickt wurde, um die Mordserie zu untersuchen, spürte sie eine gewisse Freiheit.
Als sie Teil eines Ermittlungsteams wird, merkt man langsam die ersten Veränderungen. Gleichzeitig ärgert sie sich mit Vale rum, dessen Echo nach seinem Tod einfach nicht verschwinden will. Sie können gerade anfangs überhaupt nicht miteinander, denn sie stehen auf völlig verschiedenen Seiten. Erst im Verlauf verschwimmen die Grenzen und sie nähern sich ein wenig an. Ab diesem Zeitpunkt fungiert er ein wenig als ihr Gewissen. Oder anders, er macht sie auf Ungereimtheiten aufmerksam. Gerade diese Verbindung ist der Autorin sehr gut gelungen. Ebenso wie die allmähliche Zugänglichkeit der Hauptprotagonistin, die sich über ihre fehlende Sozialkompetenz durchaus im Klaren ist. Dennoch schafft sie es, aufzutauen, quasi menschlicher zu werden. Ab diesem Moment nahm ich sie auch nicht mehr nur als reine, vom Haus indoktrinierte Assassine wahr, sondern als fühlendes Wesen.
Der Schreibstil spricht für sich selbst. Die Autorin kann schreiben, keine Frage. In meinen Augen besitzt er sogar einen gewissen Wiedererkennungswert. Allerdings äußert er sich in Formulierungen, die mich insoweit aus dem Lesefluss reißen, weil sie mich irritieren. Sie sind per se durchaus korrekt, nur ist die Ausdrucksweise eher unüblich. Das ist mir bei der Autorin schon des Öfteren aufgefallen. Besonders am Anfang sind sie gehäuft aufgetreten, verlieren sich jedoch im Verlauf.
Aufgrund der vielen Erläuterungen kommt es zu einigen Längen, die nachlassen, als die Handlung an Fahrt aufnimmt. Dabei ist das Tempo durchweg stimmig. Etwas gemächlicher am Anfang und im weiteren Verlauf immer rasanter.
Insgesamt konnte der erste Teil der Dilogie trotz des schwierigen Einstiegs durchaus überzeugen. Dank Vale und diverser Nebencharaktere wurde ich gefesselt, ehe ich auch eine Verbindung zu Seren herstellen konnte. Zwar sind einige Geschehnisse teilweise vorhersehbar, aber das ändert nichts an der Spannung, die vorherrscht. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Fazit
Die Autorin brilliert hier mit einer atemberaubenden Idee, in der politisches Ansinnen und Ideologie mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Ethik konkurrieren. Kombiniert mit Vielschichtigkeit und Tiefgang sorgt die Geschichte für den berühmt-berüchtigten Nachhall.
Ich vergebe aufgrund der genannten Punkte dreieinhalb von fünf Sternen, die ich auf knappe vier aufrunde, sowie eine Leseempfehlung.