Ein ungeklärter Todesfall ruft Kommissar John Benthien nach Amrum. Die Leiche einer jungen Frau wurde mit Verletzungen am Hinterkopf aus der Nordsee geborgen. Noch ist offen, ob Paula Lemmer durch einen Unfall oder ein Verbrechen starb. Bei Benthien werden Erinnerungen an einen zwanzig Jahre zurückliegenden Fall wach. Auch damals kam auf Amrum eine junge Frau, Maren Frahm, gewaltsam zu Tode. Und sein Kollege und Mentor Kommissar Cornelis Litmanen verschwand für immer.
In seinem 12. Fall untersucht John Benthien nicht nur, warum Paula Lemmer starb. Neben dem aktuellen Todesfall beschäftigt ihn der Cold Case von 2005 und setzt eine spannende Ermittlung in Gang. Autorin Nina Ohlandt starb 2020. Seither führt ihr damaliger Lektor Jan F. Wielpütz die Krimireihe um Kommissar Benthien weiter.
Seit seinem Wiedereintritt bei der Flensburger Kriminalpolizei hat John keinen einzigen Fall gelöst. Jetzt beauftragt ihn seine neue Chefin Lilly Velasco mit der Ermittlung im Fall Leemer. Seine Rückkehr nach Amrum wühlt lange von ihm verdrängte Erinnerungen auf. Er stellt sich erneut die Frage, ob er damals Cornelis Litmanen im Stich gelassen hat. Sein Mentor bezweifelte seinerzeit, dass der Fall Frahm gelöst war und der wahre Täter eingesperrt wurde. Die aktuellen Ermittlungen gestalten sich zäh. Die Tote war Meeresarchäologin. Mehrere der Verdächtigen beschäftigen sich mit der Geschichte des Wattenmeers, Rungholt und den Uthlande, oder handeln mit Antiken aus jener Zeit. Hängt der aktuelle Todesfall, der möglicherweise Mord war, damit zusammen?
Obwohl ich ein Fan der Reihe bin, waren mir die privaten Belange und Entwicklungen dieses Mal für einen Krimi zu viel. Eine andere Gewichtung der Themen hätte mir auch mehr entsprochen, also weniger Antikenhandel und die daraus resultierenden Verstrickungen. Dafür mehr Platz für den Cold Case und das aktuelle Verbrechen, deren Aufklärung erst im letzten Drittel an Fahrt gewinnt. Die Ereignisse rund um den Serienmörder nehmen für meinen Geschmack viel Raum ein.
Gefallen hat mir der Rückblick in die Anfangsjahre des jungen Benthien als Polizeibeamter. Ebenso der Ausflug in die Geschichte der Uthlande. Der Krimi wird flüssig erzählt und die Hauptcharaktere sind sympathisch. Letztlich werden die Fälle aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen Cliffhanger, den ich noch nicht einschätzen kann. "Einsames Watt" hat mich gut unterhalten, aber es wäre mehr drin gewesen.