Ich hab mir von der Geschichte so ein bisschen was anderes versprochen, als ich letztendlich bekommen habe. Das Buch war in meinen Augen nicht unbedingt auf klassische Art spannend, hatte aber an sich einen guten Vibe.
Eigentlich ist die Prämisse ziemlich cool: Addie versucht den Tod ihrer Schwester vor einem Jahr aufzuklären. Toller Kleinstadt-Flair mit dreckigen Geheimnissen inklusive. Und dann erscheint auch noch ihr Verdächtiger Nummer 1 wieder auf der Bildfläche. Soweit, so gut. Die Ereignisse überschlagen sich dann aber ziemlich schnell und trotzdem ist Addie weiter auf sich allein gestellt. Das finde ich in solchen Büchern immer ein bisschen unrealistisch.
Trotz etlicher Verdächtigungen, vielen gelüfteten Geheimnissen und der Erkenntnisse, dass ausnahmslos alle Lügen und Addie scheinbar die einsamste Jugendliche überhaupt ist, tut sich lange Zeit nicht wirklich was und die Geschichte plätschert so ein bisschen vor sich hin. Dieser "Sommer in der Kleinstadt"-Flair ist zwar stimmungsvoll und es gibt auch bisschen Teenie-Liebesdrama, aber ich hätte mir tatsächlich mehr Spannungselemente erhofft.
Mit den Figuren bin ich insgesamt nicht warm geworden. Dafür, dass wir hier fast nur minderjährige haben, fand ich's teilweise echt überzogen, was bei denen so abgeht und welchen Film die schieben. Vor allem auch Addies kleiner Bruder war so eine Figur, die ich erst unnötig und dann einfach nur noch nervig fand. Ein paar der Situationen habe ich dadurch auch als sehr gestellt empfunden.
Die Auflösung fand ich an sich eine runde Sache, wenn auch hier wieder unverhältnismäßig krass. Es werden aber zumindest alle offenen Fragen beantwortet und insgesamt wirkt es vom Plot her logisch erklärt. Ich bleibe trotzdem so ein bisschen ernüchtert zurück, weil ich mir irgendwie etwas anderes erhofft hatte, auch mehr Tiefe im Hinblick auf die Nebenhandlung um das Verschwinden von Addies Mutter. Ich schwanke daher zwischen drei und vier Sternen.