Am Ufer des Bodensees wird die Leiche eines Kindergartenkindes gefunden. Nach monatelanger Ruhe bei der Arbeit trifft das tote Kind Kommissar Heinzle um so mehr. Es folgen weitere Tote und die Ermittlungen führen Heinzle zu den Problemen geflüchteter Menschen und er wird selbst mit radikalen gesellschaftlichen Stimmungen konfrontiert. Hilfe nicht nur bei den Ermittlungen bekommt Heinzle von seinem Freund 'Sense', Dr. Senoner, Psychologe und Profiler. Sense' holt Heinzle mit seinem auch makabren Humor aus so manchem privaten und beruflichen Tief und lockert die bedrohliche, düstere Atmosphäre der Geschichte auf. Vom Bodensee gibt es lebendige herbstliche wie auch sommerliche Eindrücke.
Erzählt wird hauptsächlich aus Sicht des Kommissars, aber es gibt auch andere Perspektiven, die zur Vielschichtigkeit des Thrillers beitragen.
Rebekka Moser schreibt klar, bildhaft und eindringlich. Realitätsnahe Schilderungen lassen mich miterleben, auch mal mehr, als mir lieb ist. Sie benennt deutlich gesellschaftliche Missstände und den bereits vorhandenen Verlust von Vertrauen in den Staat und die Demokratie. Beispiele für radikalisierte Bevölkerungsgruppen, Vorurteile und Ignoranz in der Handlung zwingen mich, meinen eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu benennen. Selten hat mich ein Thriller so berührt wie 'Tief', da wir alle von den angesprochenen, aktuellen Themen betroffen sind und uns damit auseinandersetzen müssen.
Die Charaktere, ihr Handeln und ihre Emotionen erscheinen glaubwürdig und authentisch, die Autorin hat gut recherchiert und kennt die Flüchtlingshilfe. 'Tief' ist ein beklemmender, spannender Thriller mit überraschenden Wendungen, spart auch die Beschreibung grausamer Details nicht aus und sorgt für ein intensives Leseerlebnis. Mir hat der Bodensee-Thriller sehr gut gefallen.