Von jetzt auf gleich befindet sich Wolf Richter an einem fremden Ort und wird ohne Erinnerungen von Monstern und etwas Unbekanntem verfolgt. Auf der Suche nach der Wahrheit trifft er auf Engel und alte Gottheiten.
Welcher Ort wäre hier, in der Hölle, schon sicher? -Wolf
Dieses massive Fantasy-Buch war ein großes Abenteuer, bei dem man sich gefühlt hat, als würde man in eine Traumwelt fallen und am Ende wieder aufwachen, weil so viele unfassbare Dinge geschehen und so viele verschiedene Mythen vermischt werden. Damit wird einem als Leser einmal mehr klar, dass der Kreativität von Autoren keine Grenzen gesetzt sind. Der griechische Gott Morpheus? Mjölnir aus der nordischen Mythologie? Oder gar Engel, die Hölle oder andere mystische Wesen und Ungeheuer aus der Vergangenheit oder anderen Kulturen? Sie alle erfüllen einen Sinn, wodurch die Geschichte unvorhersehbar wird.
Besonders die Mystik hat mir dabei sehr gut gefallen. Immer wieder werden neue Geheimnisse aufgeworfen und man weiß lange nicht, was hinter Wolfs Situation steckt oder wem er überhaupt vertrauen kann. Die Welt wirkt dadurch riesig und gleichzeitig unglaublich rätselhaft. Gerade die verschiedenen Plottwists haben dafür gesorgt, dass ich meine bisherigen Vermutungen immer wieder überdenken musste. Einige Entwicklungen kamen für mich völlig unerwartet, während andere im Nachhinein erstaunlich gut zu den zuvor gelegten Hinweisen gepasst haben. Dadurch hatte die Geschichte trotz ihrer Länge immer wieder Momente, in denen ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Die verschiedenen Buchabschnitte haben dem ganzen einen Rahmen gegeben und nach und nach lernen wir die Welt, in der Wolf herumirrt und Gefahren überleben wird, kennen, wodurch das Thema Infernum oder Hölle eine ganz neue Bedeutung bekommt.
Allerdings gibt es auch unglaublich viele Charaktere, wodurch es mir nicht immer leichtgefallen ist, den Überblick zu behalten. Gerade weil viele von ihnen ihre eigenen Geschichten, Hintergründe und Verbindungen mitbringen, musste ich mich teilweise erst wieder orientieren, wer eigentlich zu wem gehört und welche Rolle die jeweilige Person spielt. Zum Glück kennt man als Fantasy-Leser die meisten Götter oder Ungeheuer und sogar ein paar Waffen, was ein Genuss in dieser Welt war. Gleichzeitig sind genau diese vielen Figuren ein wichtiger Bestandteil der Geschichte und sorgen dafür, dass die Welt lebendig und abwechslungsreich wirkt. Nicht zuletzt bekommt unser Protagonist schon von der ersten Seite Tiefe und einen authentischen, fehlerbehafteten Charakter, der erwachsen ist. Das hat mir teilweise besonders gut gefallen, weil ich sonst eher im Bereich Romantasy unterwegs bin, und sich diese High Fantasy, wo sich nur auf die Personen und die fesselnde Story konzentriert wird, von anderen absetzt.
Trotzdem hat es sich stellenweise gezogen und wenn die Spannung einmal abflaut, ist es schwierig, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. So ging es mir zum Beispiel nach Wolfs Flucht vor den Ungeheuern und dem Aufeinandertreffen mit den ersten mystischen Wesen. Hinzu kommt der Schreibstil, der die Action sehr gut rüberbringt, aber für mich bei normalen Gesprächen zu holprig ist, weshalb ich mich nach und nach daran gewöhnen musste. Der kleine Cliffhanger zum Schluss bereitet einen möglichen zweiten Band mit einer Reihe von neuen Abenteuern und Aufgaben perfekt vor. Wenn man am Ende auf die mehr als 700 Seiten zurückblickt, bereut man keine einzelne davon und Lesespaß war fast immer gegeben.
Insgesamt hat mich der Roman mit seiner außergewöhnlichen Mischung aus Mythologien, Monstern, Göttern und Engeln vor allem durch seine Ideen und seine unvorhersehbare Handlung beeindruckt.