Ein Buckliger, der sich mit Entsagung arrangiert hat - bis eine verhängnisvolle Leidenschaft ihn überwältigt. Ein Bajazzo, der zwischen Künstlertum und bürgerlicher Existenz zerrieben wird. Ein Dieb, dessen Verbrechen aus der Sehnsucht nach Glück erwächst. Thomas Mann versammelt in seinem frühen Novellenzyklus Außenseiter und Gescheiterte, Menschen, die am Leben vorbeigehen oder von ihm ausgeschlossen sind. Im Zentrum steht Johannes Friedemann, seit einem Unfall in der Kindheit körperlich gezeichnet. Er hat gelernt, seine Sehnsüchte zu begraben, hat sich eine kleine Welt der Kunst und der stillen Freuden geschaffen. Doch als die schöne, kühle Gerda von Rinnlingen in die Stadt kommt, bricht alle mühsam errungene Harmonie zusammen. Seine unterdrückte Begierde entflammt - und führt ihn in die Katastrophe. Mit psychologischer Schärfe und einer Sprache von bemerkenswerter Reife für einen jungen Autor von 23 Jahren erkundet Thomas Mann die Abgründe hinter bürgerlichen Fassaden. Diese Novellen sind erste Meisterwerke eines Schriftstellers, der später den Nobelpreis erhalten sollte - düster, eindringlich und von zeitloser Aktualität. Die frühen Erzählungen, in denen bereits der große Thomas Mann zu erkennen ist.