Spätdiagnose mit 30: Was wirklich kaputt ist - ich oder das System?
Drei Jahrzehnte lang lebt Lara Richter in einer Welt, deren Regeln sie nie erklärt bekommen hat. Sie funktioniert, passt sich an, lächelt im richtigen Moment - und bezahlt dafür mit Erschöpfung, Überreizung und dem nagenden Gefühl, grundsätzlich falsch zu sein. Dann fällt ein Wort, das alles neu sortiert: Autismus.
Jung & Autistin: Spätdiagnostiziert ist kein glattgebügelter Ratgeber und keine sanfte Wohlfühlgeschichte. Es ist ein ungeschönter Erfahrungsbericht über Masking, Missverständnisse, das ständige Übersetzen zwischen den Welten - und die Wucht einer Diagnose, die zugleich Entlastung und Trauer auslöst.
Lara zeigt, was passiert, wenn eine unsichtbare Behinderung unsichtbar bleiben muss: im Alltag, in Beziehungen, im Bildungssystem, im Gesundheitswesen und im öffentlichen Blick. Sie beschreibt, wie Inklusion zur Worthülse werden kann, wenn Barrieren nicht dort gesucht werden, wo sie tatsächlich entstehen: in Erwartungen, Routinen, Normen und politischer Ignoranz.
Dieses Buch liefert Sprache für Erfahrungen, die oft nur als zu sensibel , zu kompliziert oder schwierig abgetan werden. Es macht Mut zur Selbstakzeptanz, ohne die Realität zu beschönigen - und fordert eine Perspektivverschiebung: Ist der Autist behindert, oder eine Gesellschaft, die Vielfalt nicht aushält?
Glaubwürdig ist dieser Blick, weil er von innen kommt: direkt, klar und ohne Belehrung. Ein Buch für Betroffene, Angehörige und alle, die nicht über Autist*innen sprechen wollen, sondern endlich mit ihnen.