Sie sollte nur helfen. Und trotzdem hatte ich beim Lesen ziemlich schnell das Gefühl, dass ich dieser Frau lieber nicht zu viel Raum in meinem Leben geben würde.
Ava ist frischgebackene Mutter, chronisch müde und eigentlich nur noch froh über jeden Moment, in dem sie die Augen schließen kann. Ihr Mann ist mit seinem eigenen Leben beschäftigt, also kommt Marley ins Spiel. Eine Night Nanny, die nachts das Baby übernimmt und Ava genau das schenkt, was ihr gerade fehlt: Schlaf. So weit, so vernünftig.
Und genau deshalb hat mich die Geschichte erwischt. Denn Marley macht nicht den Fehler, den man von einer klassischen Thrillerfigur erwarten würde. Sie steht nicht plötzlich mit einem Messer in der Küche und wirkt auch nicht von der ersten Seite an verdächtig. Sie ist da. Sie hilft. Sie kennt sich aus. Sie macht vieles richtig. Vielleicht war ich gerade deshalb so skeptisch. Ich habe beim Lesen ständig Kleinigkeiten gesammelt. Nicht unbedingt, weil etwas eindeutig falsch war, sondern weil ich wissen wollte, ob mein Gefühl mich täuscht.
Ava selbst fand ich dabei erstaunlich greifbar. Nicht als makellose Mutter, sondern als Frau, die einfach müde ist. So müde, dass ein paar Stunden Schlaf plötzlich wichtiger werden als die Frage, wem sie dafür eigentlich ihre Tür öffnet. Diese Ausgangssituation fand ich gleichzeitig nachvollziehbar und ziemlich unangenehm. Denn irgendwann stellt sich nicht mehr nur die Frage, was Marley möchte. Es geht auch darum, wie viel Einfluss ein Mensch bekommen kann, wenn man ihn Stück für Stück in seinen Alltag lässt. Mehr möchte ich zur Handlung gar nicht sagen, weil man sich einige Überraschungen wirklich selbst gönnen sollte.
Ein paar Wendungen haben mich richtig kalt erwischt und gerade die Entwicklung der Geschichte hat dafür gesorgt, dass ich meine anfängliche Vorstellung davon, worauf das Ganze hinausläuft, irgendwann komplett über Bord werfen musste.