Üblicherweise beginne ich meine Buchbesprechungen immer mit einer kurzen Zusammenfassung der Handlung, mit den Aspekten, die mir wichtig darin vorgekommen sind. Bei "Zeit der Monster" ist mir dies aber nicht möglich, weil ich glaube, dass ich nicht wirklich verstanden habe, um was es in dem Buch geht (sowohl was die Handlung, als auch eine mögliche Message betrifft).
Schauplatz ist jedenfalls ein Stadtteil, mutmaßlich im Ruhrgebiet, der von allen Sumpf genannt wird. Dort leben verschiedenste Menschen aus allen Frauen Länder und Kulturen, der Glaube spielt für viele Charaktere in dem Buch irgendeine Rolle, ebenso die Familie, natürlich auch die Herkunft. Es gibt Scharlatane, Lebenskünstler, Verschwörungstheoriengläubige, Unterdrücker und Verpeilte, um nur einen kleinen Auszug der Figuren zu nennen. Sie eint der Sumpf, der ein schier unendlicher Mikrokosmos an nebeneinanderlebender und doch gemeinsam interagierender Personen ist, dem man gern entrinnen mag, der aber doch immer Teil von einer*m bleiben wird. Weil der Sumpf das "wir" ist, das wohl jede*r von uns kennt - die Bubble, die sich von keiner anderen so recht abgrenzen kann, weil sie sich immer auch mit anderen überschneidet.
Der Schreibstill ist wild, manchmal ungehobelt und erzeugt trotzdem einen Sog, dem ich mir nur schwer entziehen konnte. Das Geschehen wird so erzählt, dass man sich nie sicher ist, bei wem oder wo man sich in der Geschichte gerade befindet - und das bringt mich zum Anfang zurück, was ist eigentlich die Geschichte? Hier steckt so viel Metaphorik drin, dass ich nur einen Bruchteil davon verstehen konnte, Monster in Menschenform sind überall, aber was macht sie aus? Eine zentrale Rolle spielt jedenfalls die Identität jede*r einzelnen Figur und ihrer Beziehung zu den Monstern der Gesellschaft. Klingt wirr? Ist es auch.
Ich konnte in dem Buch kaum eine Chronologie ausmachen, wobei eine solche nicht zwangsläufig gebraucht wird. Man merkt, alle haben mit allen zu tun, viele sind naiv und gutgläubig, andere gaunerhaft, aber die generelle Grundstimmung bleibt gleich düster und durchsetzt vom Glauben. Es wirkt einfach wie aus einer anderen Welt, ohne dass ein Worldbuilding stattgefunden hat.
Das mag jetzt alles nicht sonderlich anziehend klingen und in meinem Kopf sind einfach unendlich viele Fragezeichen. Nichtsdestotrotz bekommt das Buch bei mir 4 Sterne und ich empfehle es weiter - aber nur an jene, die gewillt sind, es entweder sehr akribisch und reflexiv zu lesen, oder - so wie es bei mir der Fall war - absolute Lust haben, das Buch ein zweites und gegebenenfalls auch ein drittes Mal zu lesen, denn ich bin überzeugt: wenn man genau hinschaut, ergibt das Ganze (bestimmt) sehr viel Sinn.