An "The Rainshadow Orphans" von Naomi Ishiguro habe ich absolut alles geliebt. Ich würde sogar sagen, es hat das Potenzial, eine meiner neuen Lieblingsfantasy-Reihen zu werden. Denn in dem Buch kommt neben der außergewöhnlichen Mischung von uralter Magie und hochmoderner Technologie so viel zusammen, was mich begeistert hat.
Angefangen mit dem Setting in einem asiatisch-inspirierten Inselreich voller gesellschaftlicher Spannungen zwischen legalen Einwohnerinnen und Einwohnern und illegal eingewanderten Menschen und damit gleichzeitig zwischen Arm und Reich. Dieser Grundkonflikt ist sehr gut ausgearbeitet und wird durch die verschiedenen Erzählperspektiven immer wieder deutlich.
Das ist auch ein weiterer Grund, warum ich das Buch so gerne gelesen habe: die Charaktere. Die Erzählperspektive wechselt zwischen einigen Hauptfiguren. So begleitet man Toshiko und ihre Geschwister, die im Untergrund agieren, Theo, der der gefährlichen Gang den Lucky Crows angehört, oder Haru, dem Sohn der Kaiserin. All diese Figuren bringen unterschiedliche Erlebnisse, Gefühle und Ziele in die Story ein, die sich zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen.
Dabei entsteht eine schöne Komplexität und Tiefe, die auch durch die vielen Nebenfiguren mit eigenen Hintergrundgeschichten, wie Handlangern den Lucky Crows oder Harus Bediensteter Kei unterstützt wird. Es ist mit Sicherheit keine Geschichte, die man an einem Tag schnell durchgelesen hat, denn auch das Tempo ist eher gemächlich und nimmt sich Zeit für Atmosphäre und Hintergründe. Aber dafür ist es ein Buch, das in Erinnerung bleibt und mich gerade zum Schluss hin sehr bewegt hat.
Denn Naomi Ishiguro schafft es, dass wunderschöne Szenen beim Lesen vor dem inneren Auge entstehen, genauso wie brutale Momente geprägt von Verlusten und der Frage, wozu Menschen fähig sind und was sie dazu bringt, solch schreckliche Taten zu vollziehen. Die innere Zerrissenheit einiger Figuren hat mich sehr berührt, aber besonders Haru hat es geschafft, dass ich das Buch nicht weglegen konnte.
Zuletzt ist es auch die besondere Form der Magie, die mich so für sich gewonnen hat: asiatische Drachen, Urkräfte, die alles miteinander verbinden und ungeahnte Möglichkeiten, für alle, die diese Kräfte beherrschen können.
Wer Bücher, mit Elementen der asiatischen Mythologie in einer hochtechnisierten Welt mag und auch etwas langsamer erzählte, komplexe Geschichten wertschätzt, wird "The Rainshadow Orphans" mit Sicherheit genauso lieben wie ich. Ich bin schon so gespannt, wie die Reihe weitergeführt wird und kann es gar nicht erwarten, den nächsten Teil zu lesen.