Cover & Klappentext
Das Cover ist ein wahrer Blickfang. Die Farbgebung und das Design sind stimmig und versprechen ein wahres Abenteuer.
Allerdings bin ich befangen, denn allein der Drache hätte bei mir schon ausgereicht, um meine Aufmerksamkeit zu wecken.
Der Klappentext selbst hat meine Neugierde noch befeuert, sodass ich unmöglich widerstehen konnte.
Obwohl mir der Name der Autorin schon des Öfteren untergekommen ist, ist das mein erstes Buch von ihr. Vielleicht auch nicht das letzte.
Meinung
Ora arbeitet als Heilerin in einem kleinen Dorf. Als ihr Ziehvater von einem Drachen getötet wird, beschließt sie, von Rache getrieben, Drachenreiterin zu werden, und wagt die herausfordernde Ausbildung.
Auf der Suche nach Hinweisen begegnet ihr immer wieder Caelen, ein genauso mächtiger wie mysteriöser Assassine, der ihr mehr als nur ein Mal das Leben rettet. Obwohl sie jeden Grund hat, ihm zu misstrauen, kann sie eine gewisse Anziehung zwischen ihnen nicht leugnen. Doch seine Geheimnisse gehen tiefer, als sie je hätte ahnen können, sodass sie in einen Strudel aus Verlangen und Abneigung gerät.
Überwiegend aus der Sicht von Ora, ursprünglich Aurora, wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg fesselt recht schnell, sodass man ohne Probleme in die Handlung findet. Und das, obwohl der Anfang im ersten Moment recht konfus wirkt. Es gibt Zeitsprünge, diverse Punkte werden nebenbei ohne notwendige Hintergründe erwähnt, sodass man das Gefühl hat, die Autorin folge keinem roten Faden. Als spränge sie unkoordiniert hin und her. Das hat mich zugegeben etwas verwirrt.
Zusätzlich sorgte für mich die ab und an ungünstige Wortwahl dafür, dass ich gerade zu Beginn immer wieder aus dem Lesefluss gerissen wurde. Auch die vielen Wiederholungen störten etwas.
Trotzdem blieb ich dran, was auch gut so war. Denn die Story nimmt schnell an Fahrt auf und die anfänglich verwirrenden Punkte wurden zumindest teilweise näher erläutert. Mir ist schon klar, dass nicht sofort alle Geheimnisse aufgedeckt werden. Das ist auch richtig so, schließlich will man als Leser mitfiebern, aber diese Brotkrumen wurden in meinen Augen an den unpassendsten Stellen eingeworfen, ehe sehr viel später ein wenig, manchmal auch gar nicht, darauf eingegangen wurde.
Der Schreibstil ist insgesamt recht solide, besitzt aber noch genug Potential nach oben. Abgesehen davon trägt er die Handlung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das gefällt mir, weil der Inhalt für sich spricht.
Zwar gibt es deutliche Parallelen zu Fourth Wing und Asrai, aber das bleibt nicht so. Die Geschichte entwickelt sich in eine völlig andere Richtung. Ich bilde mir sogar ein, kleinste Spuren von Harry Potter entdeckt zu haben. Das stört keineswegs. Inspiration findet sich überall.
Die Hauptprotagonistin Ora, die früher eher sanftmütig war, was allerdings nur am Rande erwähnt wird, ist trotz ihrer Rachegelüste sympathisch, denn sie besitzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion und schafft es immer wieder, ihre Grenzen zu erweitern. Das dürfte noch deutlicher im Folgeband werden, denn im Auftakt ist sie noch ziemlich gefangen. Sie weiß jedoch, dass die Gefahr, sich selbst zu verlieren, nicht zu unterschätzen ist. Dabei hilft ihr ihre Drachendame Lunara, die mit ihrer witzigen und tatsächlich romantischen Art die Situation immer wieder auflockert. Das hat mir sehr gefallen.
Es wird schnell deutlich, dass Ora keine gewöhnliche Fae ist. Man ahnt vieles, was einen möglichen Plot Twist beinahe unmöglich macht. Sei es auf die Handlung bezogen oder auf einzelne Charaktere.
Apropos: Neben Wren, Oras bester Freundin, spielen noch der Gestaltwandler Malik sowie Cam eine zum Teil größere Rolle. Erst im Verlauf kommt Caelen hinzu. Seine Anspielungen, seine Arroganz, aber auch sein Charme machen ihn aus. Er bleibt lange undurchsichtig im wahrsten Sinn. Dennoch wird seine Präsenz im nächsten Teil deutlich steigen.
Das Tempo ist überwiegend rasant, denn es gibt einige spannende Szenen, die einen regelrecht mitreißen. Das ist durchaus gelungen. Allerdings wird man nicht durch die Seiten getrieben, es bleibt zusätzlich Raum für sanftere Momente, obwohl die Schlüsselszenen nur angedeutet wurden.
Der Zusammenhalt der Freunde und die Verbindung mit ihren Drachen wiederum ist sehr ansprechend. Sehr innig und auf unabdingbarem Vertrauen basierend.
Das Ende lässt einen schnell auf die Fortsetzung hoffen, auch wenn ich hier kaum von einem Cliffhanger sprechen würde.
Fazit
Eine vielschichtige, fantasieträchtige Geschichte, die zu unterhalten vermag. Zwischen Rache, Tod, Lebensgefahr, Zuneigung und Freundschaft entwickeln sich die unterschiedlichsten Emotionen, die gut übertragen werden. Besonders die Drachen, oder dem Fall Lunara, konnte mein Herz erwärmen, denn sie bringt Hoffnung, wenn alles ausweglos erscheint.
Das Lesevergnügen wird durch einige Schwächen getrübt, die besonders zu Beginn auftreten, sich jedoch, zumindest teilweise, im weiteren Verlauf verlieren. Ich hoffe, es sind die typischen Anfangsprobleme, die in der Fortsetzung komplett verschwinden werden.
Ich vergebe drei von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.