Wenn heute Bergsteiger (und solche die sich dafür halten) mittels Hubschrauber der alpinen Flugrettung aus ihrer misslichen Lage, die oft selbst verschuldet ist, gerettet werden, so ist dies einer Pionierleistung zweier Piloten der Schweizer Armee zu verdanken.
Aber nun zum Buch:
Die Schweiz blieb, als eines der wenigen Länder Europas, von Kriegshandlungen oder gar einer Besetzung verschont, stand aber am Kriegsende als willige Unterstützer von Nazideutschland da. Die Schweiz war nach dem Sieg der Alliierten außenpolitisch fast völlig isoliert, weshalb auch der Luftraum über dem Land für ausländische Flugzeuge geschlossen ist.
Deshalb nimmt die DC-53 von der US-Airbase Tulln-Langenlebarn bei Wien die Route über München und Marseille, um am 18. November 1946 nach Pisa zu fliegen. Nach mehrmaligen witterungsbedingten Kurskorrekturen gerät das Flugzeug in den Schweizer Luftraum und strandet auf dem Gauligletscher. Das Flugzeug ist nur leicht beschädigt, ein paar Insassen verletzt und das Funkgerät funktioniert.
Allerdings kann zunächst niemand die Position der Maschine eindeutig orten. Peilversuche via Marseille geben kaum Anhaltspunkte. Es dauert beinahe ewig, bis klar ist, dass man trotz Flugverbots in der Schweiz suchen muss. Nachdem die Maschine aus der Luft geortet werden kann, werden sofort die ersten Bergsteiger in Marsch gesetzt, die rund 13 Stunden auf den Gauligletscher brauchen. Doch erst die beiden Schweizer Piloten, die es wagen, den Verunglückten mit ihren umgebauten Fieseler Störchen zu Hilfe zu kommen, lassen den Flugunfall glimpflich ausgehen. Insgesamt dauert die Rettungsaktion sechs Tage.
Meine Meinung:
Ich habe die Tatsachen rund um diesen Flugunfall am Gauligletscher bereits aus dem Buch Die alpine Flugrettung gekannt. Denn diese Pionierleistung der beiden Schweizer Militärpiloten mündet in die Gründung nationaler Flugrettungsdienste.
Rund um dieses Ereignis generiert Frank Hucke einen fesselnden historischen Roman, der aus mehreren Blickwinkeln erzählt wird. Da ist zum einen (eh klar) die Sicht der Insassen der DC-53, die Sicht jener, die über Funk, der glücklicherweise noch funktioniert, versuchen das Flugzeug orten und die ersten Rettungsmaßnahmen durch Bergsteiger in die Wege zu leiten, sowie die Gespräche der beiden Schweizer Piloten, die mit ihren umgebauten Fieseler Störchen letztlich dafür sorgen, dass die Verunglückten gerettet werden können.
Geschickt mischt der Autor Fakten und Fiktion. Interessant sind die Passagiere der DC-53 angelegt.
In einer Nebenhandlung, in der eine Journalistin ein Rolle spielt, gibt es noch Einblicke in den Journalismus rund um die gerade stattfindenden Kriegsverbrecherprozesse von Nürnberg.
Fazit:
Diesem spannenden Roman der auf Basis eines realen Ereignisses und einer bemerkenswerten Pionierleistung, die wenig später in die Gründung der Luftrettung mündet, gebe ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.