Gemütlich über den stimmungsvoll beleuchteten Emder Engelkemarkt schlendern und bei Glühwein und Weihnachtsgebäck den Advent genießen, bevor man im komfortablen Hotel den Abend stricknadelklimpernd ausklingen lässt: So hatte sich der Strickzirkel die weihnachtliche Busreise nach Emden in etwa vorgestellt. Doch das Hotel entpuppt sich als museale Absteige, und am nächsten Morgen findet Gunda den kauzigen Busfahrer Otto tot am Binnenhafen. Gundas Sensationslust bekommt einen gewaltigen Dämpfer, als sich herausstellt, dass die Tatwaffe aus ihrem Besitz stammt. Doch umso größer ist der Anreiz für den Strickzirkel, der Polizei unter die Arme zu greifen und den Mord aufzuklären.
Toter unterm Dannenboom ist der dritte Fall für die strickende Clique aus Norden in Ostfriesland. Diese besteht aus Sefa Pankok, ihrer Jugendfreundin Edith, der bodenständigen Ines, der Strickfluencerin Rita, der energischen Gunda und dem pensionierten Kriminalhauptkommissar Derk, dessen Zuneigung mehr Sefa als den Stricknadeln gilt.
Inzwischen sind mir die sechs schon richtig ans Herz gewachsen und ich freue mich immer, wenn ein neuer Band mit den sympathischen Best Agern erscheint. Besonders herrlich fand ich diesmal wieder Derk und Gunda. Während Derk stets einen kühlen Kopf bewahrt, ruhig analysiert und nicht zur Geschwätzigkeit neigt, kann man das von Gunda nicht gerade behaupten. Je aufgeregter sie ist, desto mehr und lauter arbeiten ihre Stimmbänder, und das auch gerne op Platt. Im echten Leben würde sie mir wohl auf die Nerven gehen, aber im Roman liebe ich diese Figur einfach, weil ihre redselige und direkte Art für viele herrliche Szenen sorgt. Die kleinen plattdeutschen Einsprengsel sind auch für mich als Bayerin problemlos zu verstehen und bringen zusätzliches Lokalkolorit in die Geschichte. Wer bei dem einen oder anderen Satz doch einmal ratlos sein sollte, findet im Anhang eine Übersetzung.
Ich mag an Manuela Sannes Krimis besonders, dass die Figuren wie aus dem echten Leben gegriffen wirken. Auch die Fälle sind nicht abstrus konstruiert, sondern ich habe beim Lesen das Gefühl, dass diese tatsächlich so oder so ähnlich passieren könnten. Auch die einzelnen Kapitel aus Täterperspektive bringen erzählerisch ein interessantes Element in die Geschichte und geben neue Impulse beim Miträtseln.
Mir hat dieser Strickzirkel-Fall richtig gut gefallen, weil er eine wunderbare Mischung aus spannendem Kriminalfall, trockenem Humor und vorweihnachtlichem Ambiente bietet und trotz Cosy-Setting auch zum Nachdenken anregt. Und für das perfekte Winter-Feeling beim Lesen sorgt das Rezept für einen Sanddorn-Grog (auch in alkoholfreier Variante) im Anhang. Von mir eine klare Leseempfehlung!