Cover & Klappentext
Ein traumhaftes Cover mit wunderschönen Details, das perfekt zur Story passt. Es ist außergewöhnlich und fällt sofort ins Auge.
Der Klappentext steht dem in nichts nach. Er gibt genau wieder, was den Leser erwartet. Mich hat er sofort in seinen Bann gezogen.
Meinung
Vor sechs Jahren hat sich Tildes Leben maßgeblich verändert. Nun ist sie die letzte Erbin eines eroberten Landes und beschließt, den grausamen Schwanenkönig Liran zu heiraten, um ihrem Reich eine Zukunft zu geben.
Doch am Hof lauern zahlreiche Gefahren. Nicht zuletzt Lirans Söhne, die bereits um den Thron ringen und in Tilde eine Gefahr sehen.
Auch Prinzessin Elise begegnet ihr mit Ablehnung.
Keiner von ihnen ahnt, dass Tilde eine Schlange inmitten der Schwäne ist, die das Flüstern ihrer Ahnen hören kann, die durch den mysteriösen Wald zu ihr sprechen jene dunkle Magie, die nur wenigen vergönnt ist.
Getrieben von Rache will sie als neue Königin aufsteigen, doch dafür müssen die Schwäne fallen.
Im Fokus des Geschehens stehen Tilde und Elise.
Der Einstieg ist herausfordernd, bedingt durch die vielen Charaktere, mit denen man konfrontiert wird. Aber man findet direkt am Anfang eine geordnete Auflistung der Reiche und Königshäuser inklusive ihrer Mitglieder.
Auch der Schreibstil, der durch wunderschöne Passagen und ein tolles Word-Building besticht, macht es dem Leser nicht leichter, da die Satzkonstruktionen teilweise etwas schwergängig sind. Aber was anderes hätte zur Handlung nicht gepasst.
Im Verlauf verliert sich das anfängliche Chaos und man findet sich schnell zurecht. Daher sollte man sich nicht eingeschüchtert fühlen, sondern einfach dranbleiben.
Tilde ist keine klassische Heldin. Sie ist getrieben von Rache und reagiert manchmal impulsiv. Für ihr Vorhaben muss sie sich aber in Geduld üben, was für sie eine Herausforderung darstellt.
Deswegen ist ihre Weiterentwicklung sehr präsent. Damit zeigt sie, was wirklich in ihr steckt.
Sie als sympathisch zu bezeichnen, wäre gelogen. In ihr wohnt eine Dunkelheit, die ihren moralischen Kompass beinahe verschlingt. Das wurde erstaunlich gut rübergebracht.
Sie ist überraschend vielschichtig und zeigt die Abgründe, die jeder in sich trägt.
Dennoch lehnt man sie nicht ab. Man findet erstaunlich viel Verständnis für ihre Situation, obwohl man nicht immer mit ihren Entscheidungen konform geht.
Elise hingegen lebt in einer anderen Welt. Frauen habe kein Mitspracherecht, und so versteckt sie ihr Wesen in der Loyalität ihrer Familie gegenüber. Trotzdem blitzt gelegentlich Widerwillen auf, sodass ich sie regelmäßig angefeuert habe, ein Risiko einzugehen.
Beide Hauptprotagonisten sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Aber sie verbindet auch viel, was sich langsam und behutsam zeigt. Das ist der Autorin grandios gelungen.
Neben Tilde und Elise trifft man auf diverse Nebencharaktere, die unterschiedlich viel Raum einnehmen. Aber sie alle haben etwas gemeinsam: ihnen fehlt es nicht an Präsenz. Das war erstaunlich, denn so gelingt es dem Leser, sich in die diversen Figuren hineinzuversetzen, was der Story eine zusätzliche Tiefe verleiht.
Die Geschichte ist atmosphärisch und vielschichtig. Um die Grundlagen und Hintergründe halbwegs zu verstehen, muss man dranbleiben. Hier wurde ein geschmeidiger Mittelweg zwischen Beschreibungen und Spannungsspitzen gefunden. Auch die überraschenden Wendungen kommen nicht zu kurz, was immer wieder in wechselnden Tempi gipfelt.
Aber für mich standen im Mittelpunkt die Beziehungen der Charaktere untereinander. Blut ist keineswegs immer dicker als Wasser. Gerade die Rivalität der Brüder überschreitet jede Grenze.
Insgesamt ist diese Story ziemlich harte Kost. Aber die Autorin verzichtet auf die plastische Darstellung der schlimmsten Szenen. Sie werden in erster Linie nur gestreift, was jedoch nicht ihre entsetzliche Wirkung einbüßt.
Zartbesaitete sollten also gewarnt sein.
Fazit
Für mich war der Roman eine absolute Überraschung, da die Autorin weniger auf profane Unterhaltung setzt, sondern auf Komplexität. Gleichzeitig wird man auf verschlungenen Pfaden immer tiefer in das Geschehen gesogen, ohne es wirklich bewusst wahrzunehmen.
Wilde, unzähmbare Magie trifft auf höfische Politik und einen tödlichen Kampf um den Thron!
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.