Lange hatte ich schon auf einen neuen Roman der Bestsellerautorin Julie Orringer gewartet und war gleich Feuer und Flamme für Ein guter Charakter, der von einem Manuskriptdiebstahl, einer großen Liebe und einer scheiternden Ehe handelt.
Eigentlich sollten Dava und Barr Pennington, beide Professoren an einer Universität im Mittleren Westen der USA und ihren zwei gesunden, erwachsenen Söhnen, glücklich und zufrieden sein, doch der Schein trügt, denn beide hüten schreckliche Geheimnisse. Dava ist in ihrer Ehe unglücklich und heimlich in eine Kollegin verliebt, Svetlana White, die am Institut für Slawistik lehrt.
Als Barr wegen einer schweren Erkältung nicht zu einer Preisverleihung nach Irland reisen kann, schickt er Dava, die auf dem Flughafen Svetlana White trifft. Die beiden Frauen kommen sich näher. Wieder zu Hause, wird Dava von ihrer Affäre angetrieben und sie verbringt ihre Nächte damit, an einem Roman über zwei Frauen zu schreiben, die ein Frauenhaus an der Küste von Maine leiten. Doch dann fällt ihr das Schreiben zunehmend schwerer und ihr Gedächtnis beginnt zu versagen. Erst Untersuchungen zeigen, dass sie an einer früh einsetzenden Alzheimer-Erkrankung leidet. Zwar übernimmt Barr die Pflege seiner Frau, doch schnell wird klar, dass sie am besten in einem Heim für Alzheimer-Patienten, untergebracht ist.
Am Anfang erschien mir Barr sehr fürsorglich zu sein doch bald ändert sich das Bild, spätestens da, als er das versteckte Manuskrip von Dava findet. Barr liest, ist wütend auf die Affäre seiner Frau und neidisch auf die hohe Kunst ihrer Begabung. Kurzerhand schreibt er den Roman um und veröffentlicht ihn unter seinem eigenen Namen. In der Öffentlichkeit genießt er plötzlich großen Beifall, der ihm einen unsagbaren Erfolg einbringt, doch wären da nicht die Schuldgefühle
Fazit:
Der Autorin gelingt es hervorragend; Trauer, Verrat und Verlust aus den verschiedenen Blickwinkeln der Protogonisten, zu beleuchten. Im Verlauf der Geschichte, konnten mich auch die wechselnden Perspektiven und die Hündin aus dem Tierheim, die das Leben der Hauptfiguren auf ungeahnte Weise miteinander verbindet, überzeugen. Der Schreibstil ist sehr angenehm und fesselnd zu lesen. Die Hauptfiguren Dava und Barr sowie die Protagonisten: Davas Geliebte Svetlana, Barrs Assistentin Evie, die Söhne Milo und James, sind glaubhaft ausgearbeitet. Ein umfangreicher und berührender Roman, den ich gerne gelesen habe.
Von mir 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung an alle, die gerne Familienromane lesen.