Optisch ist dieses Buch wirklich ein absolutes Meisterwerk! Der farbige Buchschnitt und das wunderschön gestaltete Cover sind ein gigantischer Blickfang im Regal und verdienen für das Design ohne Wenn und Aber 10 von 10 Punkten.
Ich hatte mich nach diesem fantastischen ersten Eindruck riesig auf die Geschichte gefreut umso enttäuschter bin ich jetzt, nachdem ich die letzte Seite umgeblättert habe. Es war mein allererstes Buch von Anna Schneider und da ich weder eine Vorgängerreihe noch ihren Schreibstil kannte, bin ich völlig unvoreingenommen an die Geschichte herangegangen.
Handlungstechnisch ist das Ganze in zwei wechselnde Settings unterteilt. Auf der einen Seite geht es um die Vergangenheit und die schrecklichen Ereignisse rund um die Ermordung von Sophies Vater. Auf der anderen Seite verfolgt man die Gegenwart, in der Sophie massiv bedroht wird und panisch vor jemandem auf der Flucht ist. Grundsätzlich liest sich das Buch wirklich wahnsinnig schnell weg. Man kommt flüssig durch die Seiten und kann den Ereignissen und Figuren ohne große Mühe folgen. Das ist aber leider auch schon das einzig Positive, was ich über den Inhalt sagen kann, denn je weiter die Handlung fortschritt, desto mehr stieg mein Frust beim Lesen.
Sophie als Hauptfigur hat mich stellenweise wirklich Nerven gekostet. Sie wirkt in ihren Entscheidungen unglaublich verzweifelt, naiv und vollkommen chaotisch. Anstatt strukturiert oder wenigstens ansatzweise durchdacht zu handeln, rennt sie gefühlt von einer unklugen Entscheidung in die nächste. Viele ihrer Verhaltensmuster und Reaktionen wiederholen sich permanent. Man liest Kapitel um Kapitel und hat dabei ständig das zähe Gefühl, einfach nur auf der Stelle zu treten, ohne dass sich die Figur weiterentwickelt oder echte Dynamik aufkommt. Manche Entscheidungen von ihr und auch von anderen Personen waren für mich schlichtweg unlogisch und absolut nicht nachvollziehbar.
Was mich aber am meisten geärgert hat, ist das Finale. Bei einem Thriller erwarte ich schlichtweg Nervenkitzel, Hochspannung und diesen einen WOW-Effekt, der einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Doch der absolute Plottwist ist schlichtweg ausgeblieben! Die ganze Auflösung wirkte auf mich extrem lieblos dahingeklatscht, überhaupt nicht stimmig durchdacht und völlig aus der Luft gegriffen. Man fragt sich am Ende ernsthaft: Das soll es jetzt gewesen sein? Nach dem zähen Hin und Her in der Mitte war das ein richtiger Dämpfer.
Fazit: Ein optischer Traum fürs Buchregal, der sich zwar fix wegliest, inhaltlich aber durch eine anstrengende Protagonistin und ein völlig enttäuschendes, uninspirierendes Ende stark abfällt. Für mich steht fest, dass dies mein erstes und auch letztes Buch der Autorin war. Mehr als durchschnittliche 3 Sterne sind hier beim besten Willen nicht drin.