K-Dramas sind zur Zeit äusserst beliebt, sind sie doch eine Art moderne Märchen, welche in der Gegenwart oder der Joseon-Ära spielen und zum Träumen einladen. Aufgebaut sind sie oftmals nach einem sich ähnelnden Schema: Ein gutaussender Mann trifft auf eine Frau, meist nach dem Aschenputtel-Prinzip (er ist CEO oder reicher Erbe, der Kaiser/Prinz, irgendein Vorgesetzter etc. und sie dreht jeden Taler zweimal um und hilft Katzen über die Straße) und mit der Zeit wandelt er sich dank ihr vom fauchenden Tiger zum Schmusekater und sie überwinden natürlich sämtliche Hindernisse und Neider, um gemeinsam glücklich zu werden. Männer, um die wir die koranischen Frauen beneiden würden, wenn es sie denn so gäbe.
Monika Kim zeigt uns mit Molka einen Ausriss aus der koreanischen Realität, unter welcher die Frauen leiden. Misogyne Männer, wohin man schaut. Ein frauenfeindliches System, welches sich selbst vehement verteidigt. Da ist der Büroangestellte, der Kameras auf den Damentoiletten installiert hat und seine Kolleginnen während ihrer intimsten Momente begafft. Der Kollege, der auch ein Stück vom Kuchen will. Der Chef, für den tätliche Angriffe mehr wiegen als so ein paar Videoaufnahmen, die doch niemandem schaden. Natürlich gibt es auch hier den reichen Erben, der Frauen betäubt, sich an ihnen vergeht und seine Kumpel im Gruppenchat daran teilhaben lässt. Männer, die Frauen wie im K-Drama auf Händen tragen, sucht man hier vergebens, es sind eben doch nur Märchen.
Inmitten dieser Welt lebt Dahye, die ins Visier sowohl des Voyeurs wie auch des reichen Erben geraten ist, welche durch ihre toxischen Taten ihr Leben zerstören. Das Horror-Element des Dramas kommt in Form ihrer Schwester hinzu, welche vor einigen Jahren wegen eines rücksichtslosen Mannes ums Leben kam und nun in Form einer Mul Gwishin (in der korean. Mythologie die ruhelose Seele einer Ertrunkenen) an der Seite ihrer Schwester wieder auftaucht.
Dieses Buch ist kein Märchen mit romantisch verklärtem Happy End, sondern brutal (und) realistisch. Der Druck, welcher auf den Frauen lastet, ist spürbar. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass die Autorin gerade diesen Punkt emotional etwas stärker hervorhebt; dadurch, dass Dahje vieles mit sich allein ausmacht bleibt die Thematik stark auf sie fokussiert. Und da ihre Entwicklung sehr extrem ist, gehen die anderen Betroffenen thematisch etwas unter. Denn das System, in welchem die Männer den Frauen auf verschiedenste Weise Gewalt antun und sich gegenseitig dabei schützen, ist erschütternd. Den Frauen wird nicht geholfen, sie werden nicht ernst genommen. Und sobald sich eine Frau aktiv dagegen wehrt wird sie von genau den Männern bestraft, die dieses kranke System schützen.
Ein bewegender Roman über eine Frau in Seoul, die nach wiederholtem Machtmissbrauch rot sieht. Mit leichter Horror-Anlehnung an koreanische Mythologie.