Für mich ist Helen Russell hier ein besonderer Mix aus Humor und Feminismus gelungen, der eine Frage stellt, die lange nachhallt: Was passiert, wenn die, die alles zusammenhält, einfach nicht mehr da ist?
Laura ist weg. Einfach so. Kein Abschiedsbrief, kein letztes Wort. Nur eine plötzliche Leerstelle, die auf einmal alles zeigt, was vorher unsichtbar war auf der Arbeit, bei ihrer besten Freundin, bei Mann und Tochter, sogar der Kontakt zur eigenen Mutter landet plötzlich beim zurückgebliebenen Ehemann. Der Inhalt erinnert mich an "Die Wut, die bleibt", wo eine Mutter durch ihren Tod dasselbe Loch hinterlässt. Hier ist es alledings eher komisch statt tragisch.
Denn Russell zielt mit ihrer Situationskomik genau dorthin, wo es wehtut: auf die Männer, die pötzlich hilflos wie verzogene Kleinkinder erscheinen, denen jemand ein Spielzeug wegnimmt : ihnen war ihr Privileg nie wirklich bewusst. Vater und Tochter können nicht kochen. Nicht mal die Waschmaschine bedienen. Am Ende gucken sie sich ein TikTok-Video mit einem einfachen Rezept an.
Lauras Aktivität aus dem Off: ein anderer Handwerker jeden Tag, der den Ehemann aus dem Bett wirft. Die E-Mail-Adresse im Frauen-Newsletter. Auf der Arbeit spielt sie ein ähnliches Spiel mit Kolleginnen und Chefs.
Am Ende tun sich Vater und Tochter zusammen gegen die Schwiegermutter, für ein gekochtes statt bestelltes Abendessen. Vielleicht sind Lauras Rachefeldzüge tatsächlich auch als Bestrafung gedacht, aber ihre eigentliche Wirkung ist eine andere: Sie stoßen genau dieses Umdenken bei denen an, die sie zurückgelassen hat.
Feministisch, ja. Vor allem aber witzig, kurzweilig, mit einem Ende, das passt.