Das Buch hat mich ab der ersten Seite gepackt. Laura ist weg, sie fehlt an allen Ecken und Enden. Aber weil ihr niemand die Flucht zutraut, finden ihre Kollegen und Familie mögliche Gründe für ihre Abwesenheit, die mit irgendeiner Art von Pflichterfüllung zu tun haben. Mir hat gut gefallen, wie die verschiedenen Charaktere vorgestellt werden, ich fand sie sehr gut beschrieben und vor allem Lauras fordernde, passiv-aggressive Mutter hat mich fasziniert. Da die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven erzählt wird, bekommt man einen Blick auf Laura in all ihren Rollen. Natürlich gibt es auch Klischees, aber ich fand sie wohldosiert verwendet. Man erlebt Lauras Konditionierung durch Mutter, Ehemann, Kollegen, die immer nur Erwartungen stellen und so hofft man, dass ihr nichts passiert ist, sondern dass sie ausgebrochen ist. Der Roman ist sehr gut geschrieben und richtig spannend. Ich fand es gut gemacht, wie sich manche Charaktere durch Lauras Abwesenheit weiterentwickeln, das war glaubhaft und realitätsgetreu. Lauras Situation könnte die vieler Frauen sein, die in der modernen Tretmühle gefangen sind, die noch weit entfernt ist von Gleichberechtigung. Es gelingt Helen Russell, das Thema mit Leichtigkeit und Humor zu behandeln und so macht das Buch Mut, selbst auch einfach mal weg zu sein... Ich könnte mir eine Fortsetzung gut vorstellen und würde sie gerne lesen.