Laura Clark, ihres Zeichens Mutter einer volljährigen Tochter, Ehefrau eines Mannes, der sie mehr als Servicekraft denn als gleichwertige Partnerin sieht, und Angestellte in einem Unternehmen, das ihre Überstunden und Care-Arbeit nicht wirklich wertschätzt, verschwindet von heute auf morgen spurlos und alle Zurückgelassenen sind heillos überfordert.
"Laura Clark ist dann mal weg" zeichnet, was passiert, wenn eine Frau sich einfach mal entzieht. In wechselnden Perspektiven erfährt man, wie sich Lauras Verschwinden auf ihren Mann, ihre Tochter, ihre beste Freundin und ihre Bürokollegen auswirkt. Und plötzlich merken alle, wie viel Laura eigentlich für alle übernommen hat: Zu Hause kümmert sich niemand mehr richtig um irgendetwas, das Haus verwahrlost zunehmend, Essen muss bestellt werden, weil niemand kocht und der Kummerkasten, der keine eigenen Ansprüche zu haben hat, fehlt ebenfalls. Und auch auf der Arbeit sind plötzlich alle überfordert schließlich fehlt nicht nur eine Mitarbeiterin, sondern auch diejenige, die Geburtstagskuchen bestellt, Firmenauszeiten organisiert und sich um all die Dinge kümmert, die sonst irgendwie nebenbei passieren, natürlich stets unbezahlt (und ungefragt)!
Die Umsetzung fand ich sehr humorvoll gemacht und es war einfach gut zu sehen, was passiert, wenn eine Frau sich mal entzieht (Stichwort: Female Rage). Besonders bei Lauras Mann musste ich immer wieder lachen. Er war komplett lost und gleichzeitig konnte ich ihn überhaupt nicht leiden, weil er Laura wirklich schlecht behandelt hat. Besonders lustig fand ich zum Beispiel, wie er eine Vermisstenanzeige ausfüllen musste und seine eigene Frau kaum beschreiben konnte. Tragikomik vom Feinsten. Sehr bewegend und abstoßend fand ich auch die Art und Weise, wie Laura teilweise in einer Psychotherapie behandelt wurde, sodass ich emotional auch wirklich tief im Roman steckte.
Das Buch stellte die Themen unbezahlte Care-Arbeit und die Unsichtbarkeit von Frauen ziemlich gekonnt in den Vordergrund. Gerade dadurch, dass vieles teilweise etwas überzeichnet ist, funktionierte der Humor für mich sehr gut. Interessant fand ich auch, dass Laura selbst erst ganz zum Schluss zu Wort kam. Das hatte für mich fast etwas von Warten auf Godot, und obwohl es vielleicht ungewöhnlich ist, fand ich das gut gemacht. Man wartete die ganze Zeit darauf, endlich zu erfahren, was eigentlich mit Laura passiert ist und was sie selbst zu all dem zu sagen hat.
Leider gab es für mich aber auch ein paar Längen, denn mir waren einige Beschreibungen und Szenen zu detailreich. Und nachdem die Geschichte vorher stellenweise ziemlich ausufernd war, kam das Ende dann doch etwas abrupt und zu kurz.
Dennoch war Laura Clark ist dann mal weg für mich eine unterhaltsame und kluge Geschichte, die auf humorvolle und teilweise schön überzeichnete Weise zeigt, wie viel Arbeit Frauen übernehmen, die von anderen oft gar nicht wahrgenommen wird bis sie plötzlich nicht mehr da ist!