Laura Clark ist Ende 40 und Mutter, Ehefrau, Tochter, Freundin, Büroangestellte, Nachbarin, Gassigeherin, Kuchenbackende und Geschenkeorganisatorin und immer für alle da. Sie denkt an alles und an jeden. Nein, nicht an jeden, denn nicht an sich selbst. Der Roman zeigt das Leben der Menschen um Laura herum, wie es weitergeht, wenn Laura plötzlichF nicht mehr da ist. Und wie alle merken, was sie vorher für selbstverständlich genommen haben. Und was nun fehlt. Und vielleicht auch, was Laura gefehlt haben könnte!
Mich hat das Buch anfangs etwas gefordert. Die außergewöhnliche Erzählsicht aus allen möglichen Perspektiven der Menschen, die nun ohne eine Laura Clark auskommen müssen, war für mich erst einmal gewöhnungsbedürftig. Aber ich habe mich gewöhnt. Und zwar schnell!
Offenbar ist Laura Clark nicht nur einfach verschwunden, sie hatte gute Grund dazu. Und sie hat Spuren hinterlassen. Nicht nur metaphorische, sondern auch ganz reale und die sind überaus witzig zu lesen. Sie wird mit der Zeit als Charakter immer greifbarer und das, obwohl sie abwesend ist und bleibt.
Helen Russel erzählt ehrlich von den Problemen einer Frau in der Lebensmitte, die sich fragt, ob das nun wirklich alles war. Ob das Leben, das sie bisher führte und das nun einmal das einzige ist, dass sie hat, sie überhaupt glücklich macht. Und es bringt auch alle anderen dazu, darüber nachzudenken, welches Glück sie hatten mit Laura, aber auch, ob diese vielleicht nicht glücklich war. Dabei bleibt der Stil von Helen Russel unerbittlich ehrlich, aber auch sehr lustig!
Laura Clark ist dann mal weg ist das perfekte Buch für Menschen, die sich für andere aufopfern und sich selbst dabei zu kurz kommen lassen. Es wird mit einem großen Augenzwinkern erzählt und mit viel Humor. Aber gleichzeitig regt es auch sehr zum Nachdenken an. Es behandelt mit Leichtigkeit sehr ernste Themen.
Für mich ein absolutes Lese-Highlight in diesem Jahr!