"Am Rand der Welt" von Caroline Bernard ist ein Roman, der überwiegend in der Zeit ab 1935 auf einem Koog an der Nordsee spielt.
Grete ist 25 Jahre alt und zieht mit ihrem Mann Johann und den Zwillingen Hans und Luise auf den neu gegründeten Hermann-Göring-Koog. Grete und Johann schuften bis zum Umfallen, immer misstrauisch beobachtet vom Nachbarn und Vorsteher Mommsen. Um nach einem Unglück ihre Tochter zu schützen, trifft Grete eine Entscheidung, für die sie sich ihr Leben lang schuldig fühlt. Als Grete verstorben ist, macht sich ihre Enkelin Kristine auf Spurensuche. Sie hat das Gefühl, dass ihre Oma ihr nie alles über sich erzählt hat. Sie reist zum Koog, um dort mehr zu erfahren, obwohl dort fast niemand mehr aus der alten Zeit lebt.
Der Einstieg in den Roman ist mir leicht gefallen. Die Autorin schildert sehr eindrücklich nicht nur den Aufbau eines Koogs und wie dem Meer das Land abgerungen wurde. Sie beschreibt auch das Meer, das Watt und die Naturgewalten, aus denen Grete ihre Kraft immer wieder schöpfen kann. Auch in diesem Roman werden wir aber auch mit den schrecklichen Zeiten Deutschlands konfrontiert, mit Denunziationen, dem Abtransport von Kindern in die Lebensbornheime, aus denen sie nie wieder zurück gekommen sind. Bernard schildert uns Grete als eine starke Frau. Fern der Heimat muss sie sich anpassen, um nicht aufzufallen und sich und ihre Familie zu schützen. Ihre Geschichte macht wieder einmal sehr deutlich, was damals abgelaufen ist und wie Menschen sich das auch zunutze gemacht haben. Insofern waren meine Sympathien sehr schnell eindeutig vergeben.. Ich konnte Grete verstehen in der damaligen Zeit, aber auch als alte Frau. Ihre Enkelin Kristine war mir auch recht sympathisch, allerdings war der Teil um ihre Nachforschungen für meinen Geschmack zu sehr von Zufälligkeiten und der daraus resultierenden Liebesgeschichte geprägt. Da ich als Leserin die wahren Ereignisse aus Gretes Sicht ja bereits kannte, hätte es diesen Teil eigentlich nicht gebraucht. Schade, denn der Teil des Romans um Grete war durchaus beeindruckend und ich habe auch viel daraus gelernt. Wie ein Koog überhaupt entsteht, war für mich absolutes Neuland.
Sprachlich hat mir der Roman gut gefallen, Bernard schildert bildhaft und transportiert die Gefühle der verschiedenen Charaktere sehr gut.
Mir hätte, wie bereits erwähnt, Greta's Geschichte gereicht, dann wäre sie noch eindrücklicher geworden. Kristines Geschichte war für mich überflüssiges Beiwerk, dafür ziehe ich auch einen Stern ab.
Lesenden, die sich für einen Roman interessieren, der in einer völlig anderen Umgebung spielt, kann ich den Roman weiter empfehlen. Allein die Entstehung eines Koogs ist einen Blick ins Buch wert.