Liam, Julia und Harry haben sich gut im Londoner Museum eingelebt. Die beiden Kuratoren werden täglich von Mr. Bradford unterrichtet, was allmählich Früchte trägt. Julia kämpft weiter darum, ihr Gedächtnis zurückzugewinnen und Liam versucht seiner Herkunft auf die Spur kommen. Harry arbeitet ebenfalls für das Museum und hat neben anderem einen mobilen Emitter entwickelt, der es Mr. Bradford ermöglicht, sich auch außerhalb des Londoner Gebäudes zu materialisieren. Zwischendurch bergen Julia und Liam tödliche Artefakte wie den gefährlichen Gesichtsschleier, der in Southwark mordet. Ihr Alltag wird von einem magischen Zwischenfall in Paris gestört. Der französische Kurator Pierre benötigt dringend Unterstützung.
Mit "Das tödliche Artefakt" hat Andreas Suchanek den zweiten Teil seiner Reihe "Der Siegelwahrer von London" vorgelegt. Erneut hat mich seine Urban Fantasy sofort in ihren Bann gezogen.
Ein aus dem Louvre verschwundenes Gemälde von Eugène Delacroix, das durch eine magische Kopie ersetzt wurde, und die kopflose Leiche eines Einbrechers, stellen die Kuratoren vor ein Rätsel. Warum wurde gerade jetzt ein magisches Artefakt aktiviert, das schon sehr lange an seinem Platz im Louvre hängt?
Bei seinem Besuch erfährt Liam, dass sich in der Pariser Filiale jene Abteilung befand, die einst Artefaktflüsterer wie ihn aufspürte. Die Suche kam nach der "Großen Verwüstung" zum Erliegen, davor wurden Tausende von Stammbäumen angelegt. Da Liams Wert am oberen Ende der Skala liegt, war seine Ahnfrau vermutlich keine Unbekannte. Harry beginnt die Unterlagen zu archivieren.
Auf der Suche nach den Dieben besuchen Pierre und seine Kollegen einen spannenden Ort, den sogenannten Schattenmarkt. Hier bekommen sie erste Informationen. Die gesuchten Verbrecher sind auf der Jagd nach insgesamt drei Gemälden von Delacroix, die alle magische Artefakte mit tödlichen Eigenschaften sind. Leider wird Pierres Kontakt ermordet und die Besucher des Marktes attackiert. Mithilfe des geheimnisvollen Concierge können die Eindringlinge zur Strecke gebracht werden. Von ihm kommt auch der Tip, wo sich das zweite gesuchte Gemälde befindet. Die Täter entkommen erneut, Pierre wird schwer verletzt und Capitaine Lefebre von der DRPJ, einer Spezialeinheit der französischen Polizei, lüftet das Geheimnis der Kuratoren. Werden sie gemeinsam den Raub des dritten Bildes verhindern können?
Erneut haben mich die kreativen Ideen, die Handlungsorte und der magische Weltenbau des Autors überzeugt. Ebenso seine Charaktere. Liam wächst allmählich in die Rolle des Kurators hinein und erfährt mehr über seine Herkunft. Das Schicksal seiner sympathischen Kollegin ist anrührend. Ob da schon das letzte Wort zu lesen war? Die Erzählung habe ich fast ohne Pause inhaliert. Sogar der Humor kommt nicht zu kurz. Ich erinnere an den Cosy Crime, den sich Julia in Paris anschaut. Mit dem Concierge und den Schattenmärkten kommt ein neuer Player ins Spiel. Das Titel gebende Artefakt erweist sich als brandgefährlich, ebenso wie der skrupellose neue Gegner.
Unter Aufbietung aller Ressourcen wird das finale Blutbad in Paris verhindert. Die beiden Handlungsstränge werden konsequent verfolgt, aber nur einer kommt zum Abschluss. Wie ich mir schon gedacht habe, spielt Liams Herkunft eine wichtige Rolle. Ob seine Erinnerung intakt ist? Hoffentlich ist er kein "Schläfer", der das englische Museum zerstören soll! Es bleibt jedenfalls spannend.
Das Buch endet, wen wundert's, mit einem fiesen Cliffhanger. Von mir gibt es die volle Punktzahl für die spannende Geschichte. Schade, dass ich nicht einfach weiterlesen kann. Meine Fragen aus Band 1 warten weiterhin auf eine Antwort: Wer ist der Oberste Kurator und ist "Kuschelschlumpf" Shakespeare tatsächlich "nur" ein Hund?