Sydney kann 72 Stunden vor dem Tod eines Menschen einen pinken Countdown über dessen Kopf sehen. Verhindern kann sie den Tod nicht. Für sie ist ihre ungewöhnliche Gabe deshalb vor allem ein Fluch. Doch dann taucht Peter auf, der ihr zeigt, dass man die verbleibende Zeit trotzdem sinnvoll nutzen kann. Gemeinsam versuchen sie, Menschen mit laufendem Countdown noch schöne Momente zu schenken.
Bis plötzlich ein Countdown auftaucht, der alles verändert und Sydney ganz persönlich betrifft.
Die Idee hinter 72 Stunden mit dir von Darianne Schramm hat mich direkt angesprochen. Es ist nicht nur eine ziemlich ungewöhnliche Idee, sondern auch eine, aus der man unglaublich viel herausholen kann. Und ich muss sagen: Die Umsetzung hat mir wirklich gut gefallen.
Ich konnte Sydney sehr gut verstehen. Für sie ist dieses verhasste Pink längst nichts Schönes oder Besonderes mehr, sondern etwas, vor dem sie sich fürchtet und das sie am liebsten gar nicht sehen würde.
Gleichzeitig fand ich es als Leserin unglaublich spannend, wann der nächste Countdown auftauchen würde und wen er diesmal treffen würde.
Besonders hart ist dabei die Tatsache, dass Sydney zwar weiß, dass jemand sterben wird, aber absolut nichts tun kann, um den Tod zu verhindern. Sie weiß etwas, das vermutlich niemand wissen möchte und muss gleichzeitig hilflos dabei zusehen, wie die Zeit abläuft. Ich konnte ihr Leid und ihre tiefe Trauer deshalb sehr gut nachvollziehen. Gerade mit Blick auf ihre Vergangenheit wird ihre Gabe noch einmal deutlich tragischer und man versteht besser, warum sie so sehr darunter leidet.
Und dann ist da Peter, der eigentlich das komplette Gegenteil von Sydney ist. Er ist Optimist durch und durch und lässt sich selbst von einem bevorstehenden Tod nicht davon abbringen, das Beste aus der verbleibenden Zeit zu machen. Statt zu versuchen, die Menschen zu retten, was ohnehin nicht möglich ist, spricht er sie an, hört ihnen zu, nimmt ihre Probleme und Wünsche ernst, ermutigt sie und versucht, ihnen noch ein paar schöne Momente zu schenken.
Ich mochte diese Sichtweise wirklich sehr. Peter zeigt Sydney gewissermaßen eine andere Seite ihrer Gabe. Der Countdown muss nicht ausschließlich für Trauer, Angst und Hilflosigkeit stehen. Man kann die verbleibende Zeit auch nutzen. Man kann etwas erleben, jemanden glücklich machen, einen alten Wunsch erfüllen oder einfach dafür sorgen, dass jemand sich noch einmal wirklich gesehen und verstanden fühlt. Dadurch steckt Peter Sydney nach und nach mit seinem Optimismus an und ihre gemeinsame Entwicklung hat mir richtig gut gefallen.
Auch die Handlung fand ich insgesamt sehr spannend. Allerdings hat es mir ein bisschen zu lange gedauert, bis Sydney und Peter tatsächlich zu dem im Klappentext bereits erwähnten gemeinsamen Vorgehen kommen. Darauf war ich ziemlich gespannt und hätte mir gewünscht, dass dieser Teil etwas früher beginnt.
Überhaupt verrät der Klappentext meiner Meinung nach leider schon ziemlich viel. Dadurch hatte ich relativ schnell eine Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln und worauf das Ende vermutlich hinauslaufen würde. Das hat für mich einen Teil der Spannung genommen. Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass mich die Art und Weise, wie bestimmte Dinge am Ende tatsächlich umgesetzt wurden, doch noch überraschen konnte. Dadurch konnte das Buch diesen ersten kleinen Minuspunkt für mich wieder etwas ausgleichen.
Der Schreibstil hat für mich super gut zur Geschichte gepasst. Er liest sich locker und angenehm, ohne unnötig hochtrabend zu wirken. Dadurch kommt man schnell durch die Geschichte und kann sich gleichzeitig gut auf die emotionalen Momente einlassen. Besonders die Mischung aus spannenden, traurigen und teilweise auch leichteren Momenten hat mir gefallen.
Fazit
Insgesamt ist 72 Stunden mit dir für mich eine wirklich spannende und gleichzeitig sehr emotionale Geschichte. Die Thematik ist teilweise traurig und sogar ziemlich tragisch, gerade weil der Tod hier nicht verhindert werden kann. Trotzdem zieht die Geschichte daraus eine überraschend schöne und positive Quintessenz: Vielleicht geht es gar nicht immer darum, den Ausgang zu verändern. Vielleicht geht es manchmal einfach darum, was man aus der Zeit macht, die einem bleibt.
Und genau diese Botschaft hat mir sehr gut gefallen. Das Buch erinnert daran, das eigene Leben nicht auf später zu verschieben, sondern die Zeit zu nutzen, die man hat und vielleicht ein bisschen so zu leben, als könnte jeder Tag der letzte sein.