Ein großartiges Buch, das ich definitiv noch mehrmals lesen werde!
Der Plot setzt am Weihnachtsabend 1963 an. Joseph lebt völlig isoliert auf seinem Hof, verlassen von seiner Frau, die auch den gemeinsamen Sohn mitgenommen hat. Ausweglos und von der Einsamkeit erdrückt, steht er kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch genau in diesem Moment reißt ihn das unerwartete Klingeln an der Haustür aus seinen Gedanken. Eine junge, hilfsbedürftige Frau bricht in seine Welt ein und zwingt sein Leben auf eine völlig neue Bahn.
Trotz der inhärenten Tragik und Schwere von Josephs Schicksal gelingt der Autorin eine bemerkenswerte Balance: Die Erzählung verliert sich nie im reinen Pessimismus. Im Gegenteil, das Buch hat mich von der ersten Seite an so gepackt, dass ich es sprichwörtlich in einem Rutsch verschlungen habe. Man spürt in jeder Zeile die tiefe Empathie, die Herzenswärme und das feine Gespür, mit dem die Charaktere gezeichnet sind. Es kommt wirklich selten vor, dass mich ein Roman so tief bewegt und fesselt, dass ich ihn innerhalb von einem Tag durchlese.
Über dem gesamten Werk liegt zwar eine melancholische, bittersüße Note, aber die Hoffnung obsiegt. Es ist im Kern die Geschichte einer Suche nach dem inneren Licht, selbst dann, wenn die Schatten der Vergangenheit so mächtig scheinen, dass sie einen zu verschlingen drohen.
Stilistisch ist das Buch ein absoluter Genuss. Die Sprache ist elegant und poetisch, ohne überladen zu wirken. Die Autorin schafft es, komplizierte emotionale Zustände in Worte zu fassen, die gleichzeitig wehtun und wunderschön sind. Ihre Beobachtungen des alltäglichen Lebens sind dabei präzise auf den Punkt gebracht und gehen direkt ans Herz.
Josephs Weg zurück zu sich selbst
in einer Epoche, in der es für Männer absolut unüblich war, das eigene Dasein und tradierte Rollen zu hinterfragen, hat mich restlos begeistert.