Ich habe den Hexenthriller "The Book of Witching" von C.J. Cooke als Hörbuch gehört, gesprochen von Henrike Tönnes. Die mir bisher unbekannte Unterkategorie von Thrillern hat mir gut gefallen.
Wir befinden uns auf den Orkney-Inseln in Schottland im Jahr 1594. Alison Balfour wird der Hexerei angeklagt. Sie ist Heilerin und hat besondere Fähigkeiten, die sie aber nur für Gutes einsetzt.
400 Jahre später erleidet Erin bei einem Urlaub mit Freunden einen schrecklichen Unfall mit schweren Verbrennungen: Ihr Freund stirbt, ihre beste Freundin ist spurlos verschwunden. Als Erin endlich aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern, erkennt ihre Eltern nicht und behauptet, ihr Name sei Nyx. Clem, Erins Mutter, will dem Unfall auf den Grund gehen und reist zu den Inseln. Hat der Unfall ihrer Tochter mit einem uralten Fluch zu tun?
Ich war schnell mittendrin in der Geschichte, sie ist leicht zu hören. Alle Charaktere sind gut beschrieben. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, einmal aus der von Alison und einmal aus der von Clem. Die Autorin versteht es gut, die Emotionen der Protagonist*innen zu vermitteln. Das Bangen und Hoffen von Alison vor ihrem Prozess, Clems Bangen um das Leben ihrer Tochter. Immer tiefer steigen die Hörenden in die Geschichte ein, bis sich zum Ende alles zusammenfügt. Ich persönlich fand den Zeitstrang um Alison interessanter. Er orientiert sich an der wahren Geschichte von Alison Balfour. Wir erleben mit ihr, wie es zum Prozess kommt, den Prozess selbst und die Rolle der Kirche dabei. Sehr spannend, emotionsgeladen und auch grausam anzuhören und mitzuerleben! . Nicht nachvollziehbar, mit welchen Methoden damals Geständnisse erpresst wurden und trotzdem leider Tatsache. Die bildhafte Sprache der Autorin trägt erheblich dazu bei, das Kopfkino rattern zu lassen. Die Zeitebene um Erin blieb in meinen Augen dahinter zurück. Mir driftete die Handlung hier doch zu sehr in den Bereich Fantasy ab. Trotzdem war auch diese Ebene spannend und voller Emotionen geschrieben.
Henrike Tönnies macht auch in diesem Hörbuch einen guten Job, die Interpretation der unterschiedlichen Charaktere vermittelt viele Emotionen. Besonders im Zeitstrang Alison wird dies deutlich, allein der unsympathische Vertreter der Kirche ist wunderbar gesprochen.
Eine Hörempfehlung für Hörende, die sich für Hexenprozesse interessieren, verpackt in einen Roman, der auch eine Brücke zur heutigen Zeit schlägt.
Gute 4 Sterne gibt es von mir, der Punkt Abzug ergibt sich für mich persönlich aus dem für meinen Geschmack etwas zu "fantastischen" Zeitstrang um Erin.