Ein bizarrer Fall beschäftigt Untersuchungsrichter Antoine Verlaque. Das kleine Musée de Quentin-Savary wurde während des Wochenendes völlig ausgeraubt. Bis auf den Empfang und eine einsame Topfpflanze haben die Diebe alles mitgenommen - die Porzellansammlung, alte Dokumente, Terrakottabüsten und einige Gemälde. Kommissar Bruno Paulik und der Richter fragen sich, wer Interesse am Raub der kompletten Sammlung eher unbedeutender Ausstellungsstücke hat. War die jüngste Schenkung an das Museum, ein Gemälde des provenzalischen Malers Felix Ziem, das Objekt der Begierde? Ein zeitnah erfolgter Einbruch bei der Spenderin könnte darauf hinweisen. Oder verbergen sich im Museum bisher unbekannte Schätze? Die Ermittler tappen noch im Dunkeln als einer der Verdächtigen ermordet wird.
Mary L. Longworth lässt Untersuchungsrichter Verlaque in seinem 9. Fall ermitteln. Dieses Mal muss er weitgehend auf die Unterstützung seiner Frau Marine verzichten, da sie ihr erstes Kind erwarten. Die bewährte Mischung aus Kriminalfall, Savoir-vivre und Lokalkolorit hat mich kurzweilig unterhalten. Das Buch ist auch für Einsteiger in die Reihe gut lesbar.
Während Antoine und Bruno nach dem Motiv für das mysteriöse Verbrechen suchen, ist Marine erleichtert, dass ihr Mann einen spannenden Fall auf dem Tisch hat. So ist er von ihrer Schwangerschaft und seiner neuen Vaterrolle zumindest zeitweilig abgelenkt. Longworth versteht es, dem Privatleben ihrer Charaktere genügend Raum zu bieten, ohne dass der rätselhafte Fall ins Hintertreffen gerät. Auch Lea, Pauliks talentierte Tochter, spielt dieses Mal eine kleine, aber wichtige Rolle bei der Aufklärung des Verbrechens.
Überhaupt macht das Wiedertreffen mit den sympathischen Protagonisten der Reihe ebenso Vergnügen, wie ein Bummel durch Aix-en-Provence. Der Tatort, ein kleines privates Museum, befindet sich im Zentrum der Stadt. Keiner außer dem Direktor, der sein kleines Reich abgöttisch liebt, kann nachvollziehen, warum es Ziel eines aufwendigen Raubzugs wurde. Eine Spur weist nach Marseille, während eine andere zu einer ehemaligen Kunstdiebin führt. Letztlich erweist sich Antoines Gespür als richtig. Das Verbrechen kann nur einen bestimmten Grund haben. Auch über die Identität des Täters sind sich der Richter und der Kommissar einig. Aber wie beweisen?
Herrliche Gegend, köstliche Menüs, edle Weine und exquisite Zigarren kennzeichnen die Krimiserie mit dem kultivierten Richter Antoine Verlaque und seiner Frau Marine Bonnet, einer ehemaligen Universitätsdozentin, die jetzt eine Doppelbiografie des Ehepaars De Beauvoir/Sartre schreibt. Mary L. Longworth lebt seit 1997 in Aix-en-Provence. Die Liebe zur Region aber auch ihr Faible für die gutsituierte gehobene Gesellschaft kennzeichnen alle Bände dieser Reihe. Französisches Savoir-vivre und provenzalisches Lokalkolorit, verquickt mit einem spannenden, eher unblutigen Verbrechen. Mir gefällt die Kombination.
Der mysteriöse Raubzug wird ebenso lückenlos aufgeklärt wie der Mord. Einmal mehr löst das Team Verlaque und Paulik erfolgreich einen schwierigen Fall. Jetzt kann sich Antoine wieder ungestört der Frage widmen, in welche Schule er sein noch ungeborenes Kind schicken wird.