Fjodor M. Dostojewski:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski war einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts und gilt als einer der herausragenden Psychologen der Weltliteratur. Er wurde 1821 in Moskau geboren und starb 1881 in Sankt Petersburg. Seine Werke beschäftigten sich intensiv mit den politischen, sozialen und spirituellen Umbrüchen im Russischen Kaiserreich sowie mit den Tiefen der menschlichen Seele.
Dostojewski wuchs in einem religiösen Umfeld auf und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Militäringenieur. Da er sich ganz dem Schreiben widmen wollte, gab er diese Laufbahn jedoch schnell auf. In den späten 1840er Jahren schloss er sich frühsozialistischen und revolutionären Kreisen an. Dies führte 1849 zu seiner Verhaftung. Er wurde zum Tode verurteilt und erlebte eine grausame Scheinhinrichtung auf einem Paradeplatz, bevor das Urteil in vier Jahre Zwangsarbeit in Sibirien und anschließenden Militärdienst umgewandelt wurde. Nach seiner Entlassung im Jahr 1859 kehrte er nach Sankt Petersburg zurück und baute seinen Ruf als Schriftsteller wieder auf.
Sein Leben war von schweren Schicksalsschlägen und Krisen geprägt. Er litt zeitlebens an Epilepsie und war viele Jahre lang einer extremen Spielsucht verfallen. Im Gegensatz zu wohlhabenden zeitgenössischen Autoren wie Lew Tolstoi stand Dostojewski fast immer unter enormem finanziellen Druck und musste schreiben, um seine Schulden bei Gläubigern zu begleichen. Erst in seinen letzten zehn Lebensjahren stabilisierte sich seine finanzielle Lage.
Dostojewski verfasste neun große Romane, zahlreiche Novellen sowie Erzählungen. Fast alle seine Romane erschienen zuerst als Feuilletonromane in Zeitschriften, weshalb sie trotz ihrer philosophischen Tiefe sehr spannend geschrieben sind. Zu seinen weltweit bekannten Hauptwerken, die vor allem in den 1860er und 1870er Jahren entstanden, gehören Schuld und Sühne, Der Idiot, Die Dämonen, Die Brüder Karamasow und Der Spieler.
Seine Bücher wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt und beeinflussten die Weltliteratur, die Philosophie, die Psychologie sowie die Theologie bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nachhaltig.