Als der alte Fahrenbach, der eine zunächst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlässt er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jörg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin.
Bettina war glücklich, ihren Halbbruder Christian zu sehen, sie freute sich darüber, dass er unmittelbar vom Flughafen zu ihr gekommen war. Weswegen war er hier? Nachdem sie sich ausgiebig begrüßt hatten, schimpfte Bettina mit ihm. »Sag mal, Christian, wenn Babette dich nicht zufällig entdeckt hätte, säßest du noch immer hier. Warum bist du nicht hinauf in die Destille gekommen oder zu Leni gegangen oder . . . direkt zu Linde? « »Weil ich, ehe ich zu Linde gehe, unbedingt vorher mit dir reden muss. « Da war es wieder, dieses unangenehme Gefühl, die Sorge, dass Lindes düstere Vorahnung sich bewahrheiten würde, er sei nur gekommen, um seine ursprünglichen Pläne über den Haufen zu werfen und mit Linde Schluss zu machen. Diese Frage brannte ihr auf den Lippen, aber sie musste sich zusammenreißen, sie durfte nicht einfach mit der Tür ins Haus fallen, schließlich lag eine ewig lange Flugreise hinter ihm, und er würde ihr schon beizeiten sagen, was zu sagen war, deswegen war er schließlich hier. »Komm erst mal ins Haus, du Verrückter«, sagte sie, »und dann trinken wir einen Kaffee zusammen, den kannst du doch ganz bestimmt gebrauchen, oder? « »Es wäre der Himmel auf Erden«, bestätigte er, griff nach seiner Tasche, die neben ihm auf der Bank gestanden hatte, dann folgte er Bettina ins Haus, in dem er sich schon recht gut auskannte und in dem er sich auch sehr gern aufhielt, weil es so überaus gemütlich war. Sie gingen in die Küche, setzten sich, um überhaupt etwas zu sagen, erkundigte sie sich wie beiläufig: »Hattest du einen angenehmen Flug? «, während sie an ihrer Super-Kaffeemaschine herumhantierte. »Ja, er war recht angenehm«, antwortete er. »Was möchtest du haben? Normalen Kaffee, einen Latte oder Cappuccino? Ich kann dir auch erst mal einen Espresso machen, damit deine Lebensgeister wieder erwachen. « »Eine Super-Idee, Bettina, ja, bitte erst mal einen Ex. «