Als der alte Fahrenbach, der eine zunächst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlässt er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jörg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin.
Bettina starrte den Mann an, der auf dem Nebensitz Platz genommen hatte, wie eine Erscheinung an, wie ein Fabelwesen, wie jemanden von einem anderen Stern. Aber es war geradezu unglaublich, dass in dem Flieger von Paris nach Bordeaux ausgerechnet Gregor Olsen neben ihr saß. Wenn sie sich in Bad Helmbach zufällig begegnet wären oder in Steinfeld oder sonst wo in der Nähe des Fahrenbach-Hofes . . . , das hätte durchaus sein können, auch wieder eines jener zufälliger Zusammentreffen am Flughafen, aber doch nicht in einem Flugzeug, das in die französische Provinz flog. Er hatte sein Handgepäck verstaut, eine Zeitung im Gepäcknetz vor sich deponiert, die er vermutlich gleich lesen wollte, als er ihren Blick spürte. Eher uninteressiert blickte er zur Seite, um dann auch mehr oder weniger zu erstarren. Für ihn wäre vermutlich auch ein Blitzschlag realistischer gewesen, als ausgerechnet Bettina hier zu sehen, noch dazu als Sitznachbarin. »Sie? «, presste er hervor, schüttelte ungläubig den Kopf, »das glaube ich einfach nicht . . . Frau Fahrenbach, was machen Sie denn hier? « Die Situation war so grotesk, dass Bettina anfing, hysterisch zu lachen. »Das . . . , das könnte ich Sie auch fragen, Herr Olsen«, rang sie sich schließlich ab, nachdem sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Sie konnte es noch immer nicht so recht fassen. Der ganze Flieger war hacke-knacke-voll, sie hatte den letzten Platz ergattert, um dann ausgerechnet neben Gregor Olsen zu landen. Wenn das nicht ein unglaublicher Zufall war. Wenn sie das jemandem erzählen würde, oder sie die Geschichte von jemandem erführe . . . , niemand würde es glauben. Er hatte sich schneller gefasst als Bettina, ein Strahlen ging über sein Gesicht. Ihm war anzusehen, dass er sich über diese zufällige Begegnung freute. Oder war es kein Zufall? So dachte er wohl eher nicht, Männer taten so etwas als eine angenehme Überraschung ab, während Frauen darin gern so etwas wie Vorbestimmung, Magie sehen wollten. »Ich habe für einen meiner Auftraggeber etwas in der Nähe von Bordeaux zu erledigen, morgen.