Archer findet einen gelben Umschlag in seinem Spind und hält das Ganze zunächst für einen ziemlich geschmacklosen Scherz. Er soll sich zwischen zwei Entscheidungen entscheiden andernfalls wird ein Mitschüler sterben. Als er die Nachricht ignoriert und tatsächlich ein Schüler tot vor dem Glockenturm liegt, ist klar: Jemand meint es ernst. Und dabei bleibt es nicht. Weitere Briefe folgen, weitere Entscheidungen müssen getroffen werden und jedes Mal steht mehr auf dem Spiel. Was zunächst wie ein perfides Spiel wirkt, entwickelt sich immer stärker zu einer persönlichen Abrechnung mit Archers Vergangenheit.
Was mir an der Geschichte gefällt, ist diese unangenehme Ausgangslage: Es gibt nicht einfach die eine richtige Entscheidung. Egal, was Archer tut, irgendjemand muss den Preis dafür zahlen. Dadurch hört man automatisch genauer hin und fragt sich irgendwann selbst, wie man wohl reagieren würde. Das Internat als Schauplatz passt dabei richtig gut. Nach außen wirkt alles wie eine ganz normale Welt aus Freundschaften, Konflikten und Teenagerproblemen, während sich darunter immer mehr Misstrauen und Bedrohung aufbauen. Archer ist dabei nicht allein unterwegs, sondern hat mit Hazel und Nick zwei Figuren an seiner Seite, die der Geschichte neben der düsteren Atmosphäre auch etwas Leichtigkeit geben. Gleichzeitig merkt man, dass längst nicht jeder ehrlich mit jedem ist.
Die Handlung zieht immer wieder an, wirft neue Fragen auf und lässt einen mit einigen Vermutungen ziemlich schnell wieder danebenliegen. Manche Situationen sind mir zwar einen Tick zu dramatisch geraten, dafür bleibt die Geschichte in Bewegung und verliert sich nicht in langen Erklärungen. Als Hörbuch funktioniert das Ganze für mich vor allem durch die passende Sprecherleistung. Die Figuren bekommen eigene Nuancen, ohne dass es künstlich wirkt, und gerade die jugendliche, manchmal etwas lakonische Art passt gut zur Geschichte. Spannend fand ich auch, wie sich die Vergangenheit nach und nach in die Gegenwart schiebt. Was zunächst wie eine Reihe voneinander getrennter Drohungen wirkt, bekommt zunehmend einen Zusammenhang. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, die nächste Entscheidung zu überstehen, sondern darum zu verstehen, warum ausgerechnet Archer in diesem Spiel gelandet ist.
Ich mochte, dass das Hörbuch seine Spannung nicht nur aus der Suche nach dem Täter zieht, sondern aus den Entscheidungen selbst. Man weiß schließlich, dass Archer handeln muss. Die eigentliche Spannung entsteht daraus, welche Konsequenzen seine Wahl haben wird und wie viel Wahrheit hinter den Briefen steckt.