Dieses Buch hat drei Ziele: Es möchte erstens die Verklammerung von Naturwissenschaft und Theologie bei Paracelsus analysieren und historisch einordnen, zweitens die Adaptation dieser Theorien im Paracelsismus, also dem auf Paracelsus aufbauenden Diskurs des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, rekonstruieren und drittens die literarische und poetologische Anverwandlung dieser Theorien in der deutschsprachigen Literatur des Barock (Scheffler, Zesen, Grimmelshausen) nachzeichnen.
Im Mittelpunkt stehen zwei zentrale Denkfiguren der Magie: Beschleunigung und souveräne Teilhabe. Souveräne Teilhabe meint, dass der Magier sich mit der Natur bzw. mit Gott so vereint, dass er, obwohl er seines individuellen Willens und Erkenntnisinteresses beraubt ist, auf höherer Ebene an einem übergeordneten Willen bzw. Wissen teilhaben kann und innerhalb dieser Teilhabe eine Position erreicht, die nicht nur leidend, sondern zugleich aktiv und setzend ist. Auf der Basis dieser Teilhabe kann der Magier in sich und in seinem Verhältnis zu Gott, zur Menschheit und zur Natur die Zeiträume bis zum jüngsten Tag verkürzen. Magie ist also, so die zweite These des Buches, eine Wissenschaft von der Beschleunigung.
Die genannten magischen Mastertopoi sind für die Literatur des Barock von höchstem Interesse, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass bei Paracelsus und im Paracelsismus Gott und die Natur von vornherein als literarisch verfasst gedacht werden.
Inhaltsverzeichnis
1;Inhalt;6 2;Vorwort;8 3;Himmlische und Natürliche Magie I ( Aufriss, kurze Fassung);10 4;Himmlische und Natürliche Magie II ( Aufriss, lange Fassung);13 5;Lektürebeschleunigung oder die letzten Tage der Paracelsisten;47 6;Katechonik und Erlösungsbeschleunigung;58 7;Republikanische Mystik;102 8;Magica als souveräne Teilhabe und Beschleunigung auf der Ebene der Natur;113 9;Das Buch der Natur lesen und schreiben;169 10;Über Gott und die Epigrammatik: Zu Johannes Scheffl ers Poetik und Poesie der himmlischen Magie in den Geistreichen Sinn- vnd Schlussreimen ( Cherubinischer Wandersmann);187 11;Natürliche Magie, kosmische Erotik und poetischer Wohlklang: Philipp von Zesens Romane, Poetik und Lyrik;223 12;Warum der Wahn betreügt: Der Teufel und die Natürliche Magie in Grimmelshausens Simplicianischem Zyklus;244 13;Zitierweisen;296 14;Abkürzungen;297 15;Literaturverzeichnis;298 16;Abbildungsverzeichnis;362 17;Namensregister;364