Der Großteil des Covers zeigt blauen Himmel mit winzigen Schäfchenwolken; darunter, halb verdeckt von mediterraner Vegetation, eine stattliche Villa. Sehr idyllisch also, sähe man nicht in großen Lettern "Mord" geschrieben. Das Buch hält, was der Umschlag verspricht - ein Verbrechen vor der Kulisse der französischen Riviera; und an Publikum für das Geschehen mangelt es nicht.
Der Autor versetzt die Handlung in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Ermittler müssen daher auf Internet-Recherchen und DNA-Analysen verzichten und sich auf ihren Spürsinn und eventuell hinterlassene Fingerabdrücke verlassen. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig, die Dialoge realitätsnah; französischen Redewendungen folgt recht angenehm immer die deutsche Übersetzung. Wer will, kann also durchaus ein paar neue Vokabeln dazulernen. Einige Tippfehler seien dem Selfpublisher erlaubt; sie lassen sich sicher schnell korrigieren.
Die "Guten" in dieser Geschichte sind durchaus sympathisch gezeichnet. Aber auch die Täter fallen nicht sofort als solche auf, und lassen den Leser lange Zeit im Ungewissen über das Tatmotiv. Alle Charaktere sind lebensnah, und somit fällt es dem Leser leicht sich auf die Handlung einzulassen. Madame Commissaire Lucie Girard sticht klarerweise hervor; Geschehnisse ihres Familienlebens sind gut in die Ermittlungsgeschichte eingewoben. Auch die Hintergründe der anderen Mitwirkenden werden beleuchtet - man bekommt auch kleine Einblicke in deren Lebensumstände und Alltagsprobleme.
Ich habe mich in der Geschichte sehr gut zurechtgefunden, obwohl ich die Vorgänger-Krimis noch nicht kenne. Ich bin aber durchaus neugierig auf die ersten Ermittlungen des französischen Ermittlerteams.
Mein Fazit: ein solider Cosy-Krimi mit Saint Tropez als Kulisse. Das Buch ist spannend, aber auch sehr unterhaltsam geschrieben. Inspektor Zufall arbeitet auch das ein oder andere Mal mit, aber passt recht gut, wie ich finde. Ein lesenswerter Cosy-Krimi mit Überraschungsmomenten.