Christian Kefersteins Mineralogia Polyglotta ist ein gelehrtes Arbeitsbuch der Mineralogie, das die Benennungen mineralischer Körper über Sprach- und Wissenschaftsgrenzen hinweg ordnet. Sein Gegenstand ist nicht nur die Sache selbst, sondern auch ihre terminologische Überlieferung: lateinische, deutsche und fremdsprachige Namen werden in Beziehung gesetzt, Synonymien geklärt und damit die Vergleichbarkeit naturkundlicher Beobachtung gefördert. Der Stil ist knapp, systematisch und philologisch präzise; im Kontext der frühen modernen Geowissenschaften erscheint das Werk als Beitrag zur Vereinheitlichung einer noch stark national und schulmäßig zersplitterten Fachsprache. Christian Keferstein, bekannt als vielseitiger deutscher Geologe, Mineraloge und naturkundlicher Schriftsteller, arbeitete in einer Zeit, in der Sammlungspraxis, Bergbaukunde, Chemie und vergleichende Erdkunde eng miteinander verbunden waren. Seine Beschäftigung mit der Geschichte der Erde und mit der Ordnung mineralischer Materialien erklärt das Bedürfnis nach einem polyglotten Verzeichnis: Wer Gesteine und Mineralien international vergleichen wollte, musste zuerst ihre Namen verstehen. Empfohlen sei dieses Buch allen, die sich für Wissenschaftsgeschichte, historische Terminologie und die Entstehung mineralogischer Klassifikation interessieren. Es erschließt nicht nur alte Namen, sondern auch die Denkweise einer Epoche, in der Sprache selbst zum Werkzeug exakter Naturerkenntnis wurde.