Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe Lagarde den Geistlichen tot im Pfarrhaus. Erhängt. Seine Zweifel am Selbstmord des Abbés bestätigen sich bald. Erschüttert beschließt Philippe, seinen Freund und Kollegen Ludovic Leroc, bei den Mordermittlungen zu unterstützen.
"Der Kommissar und der Mord von Valognes" ist der 15. Fall, in dem Maria Dries ihren Ermittler Philippe Lagarde auf Mörderjagd schickt. Wie erhofft, hat mich der spannende Krimi gut unterhalten. Er ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos lesbar.
Wer tötet einen beliebten Abbé? Bald findet Lagarde erste mögliche Tatverdächtige. Da ist der Vater, dem die Tochter weggenommen wurde, weil der Geistliche die häusliche Gewalt gegen das Kind zur Anzeige brachte. Ein weiteres Motiv könnten die Probleme des Abbés mit dem Zölibat sein. Wer war die Frau, die er regelmäßig traf? Wenige Tage später wird ein pensionierter Lehrer tot aufgefunden. Erwürgt wie der Geistliche. Leroc und Lagarde versuchen herauszufinden, ob die beiden Mordopfer sich kannten. Die Ermittlungen führen sie bis auf eine abgelegene kleine Insel vor der bretonischen Küste und in eine tödliche Falle.
Maria Dries schreibt flüssig und bildhaft. Das Lokalkolorit nimmt einen angemessenen Raum ein, nicht nur Land und Leute, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten. Ihre Charaktere sind stimmig und bodenständig. Philippe Lagarde ist ein sympathischer, kultivierter Mensch, der nach einer schweren Verletzung den aktiven Polizeidienst quittiert hat. Jetzt unterrichtet er an der Akademie von Rennes und fungiert gelegentlich als Berater der Ermittlungsbehörden. Seiner Frau, der erfolgreichen Gastronomin und Spitzenköchin Odette, unterschlägt er gern, in welch gefährliche Situationen er bei seinen Ausflügen in die Welt der Mordermittler gerät. So auch dieses Mal. Auch die anderen Protagonisten überzeugen.
Die Geschichte wird aus verschieden Perspektiven und mit Rückblicken in die Vergangenheit, Anfang des 21. Jahrhunderts erzählt. So schält sich für den Leser allmählich ein Tatmotiv heraus. Bis zum Showdown hält die Spannung an. Lagarde und Leroc können schließlich den schwierigen Fall logisch aufklären. Es bleiben keine Fragen offen. Mir hat gut gefallen, dass nicht nur das Motiv, sondern auch der Auslöser der Mordserie erklärt wird.
Jetzt kann der Commissaire beruhigt seine Hochzeitsreise antreten. Bei der Höhlentour in der Ardèche würde ich Odette und Philippe gern begleiten. Aber wer weiß, vielleicht entdecken sie dort einen gemeuchelten Höhlenforscher?
4,5 von 5 Sternen