In Die Schiffbrüchigen des »Jonathan« verbindet Jules Verne die maritime Abenteuererzählung mit einer bemerkenswert ernsten politischen Versuchsanordnung. Vor der rauen Kulisse Feuerlands und der Magellanregion geraten Überlebende des gestrandeten Auswandererschiffes Jonathan in eine existenzielle Gemeinschaftsprobe. Aus der Katastrophe erwächst die Frage, ob Freiheit ohne Ordnung bestehen kann. Vernes sachlich-präziser, geographisch geschulter Stil der Voyages extraordinaires wird hier von sozialphilosophischen Reflexionen durchzogen; Robinsonade, Kolonisationsroman und Utopiekritik verschränken sich zu einem späten, düsteren Werk. Jules Verne, 1828 in Nantes geboren, war nicht nur der große Erzähler technischer und geographischer Imagination, sondern auch ein aufmerksamer Beobachter des 19. Jahrhunderts. Seine Faszination für Entdeckungsräume, Seefahrt und wissenschaftlichen Fortschritt trifft in diesem Roman auf Skepsis gegenüber politischen Heilsversprechen. Die postum veröffentlichte Fassung, aus dem Manuskript En Magellanie hervorgegangen und von Michel Verne bearbeitet, zeigt besonders deutlich Vernes späte Beschäftigung mit Autorität, Moral und gesellschaftlicher Verantwortung. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die hinter dem bekannten Abenteuerautor den nachdenklichen Analytiker moderner Gesellschaften entdecken möchten. Die Schiffbrüchigen des »Jonathan« bietet Spannung, atmosphärische Landschaftsschilderung und eine anspruchsvolle Meditation über Gemeinwesen, Gesetz und persönliche Freiheit.