Seit Letty als kleines Mädchen mit ihrer Mutter nach England gezogen ist, steht ihr bester Freund Will immer an ihrer Seite. Der Sohn des Erlkönigs ist allerdings ein Nachtmahr und außer Letty kann ihn in der Welt der Menschen niemand sehen. Wegen ihres Vorstellungsvermögens hat der Erlkönig die inzwischen siebzehnjährige Letty als Spionin in seine Dienste genommen, so dass sie sich im Nachtreich Annwn genau so zuhause fühlt, wie in ihrem britischen Wohnort. Dabei muss sich sich nicht nur vor den Kreaturen Annwns in Acht nehmen, sie darf sich auch auf gar keinen Fall verlieben, denn dann bleibt ihr das Nachtreich für immer versperrt - was ihr in Wills Gegenwart immer schwerer fällt. Ausgerechnet jetzt braut sich unter den Nachtwesen eine Verschwörung zusammen, die die Welt der Menschen ebenfalls in Gefahr bringt. Will und Letty sind fest entschlossen, ihrer beider Reiche mit aller Macht zu verteidigen.
"Der Prinz des Nachtreichs 1. Midnight Spy" von Sandra Regnier ist der Auftakt einer Romantasy-Reihe für Jugendliche, der mich zwar recht schnell in seinen Bann gezogen hat, jedoch nicht durchgehend fesseln konnte. Will und Letty waren mit auf Anhieb sympathisch, wobei ein kritischer Geist jetzt anmerken könnte, dass der Sohn des Erlkönigs für ein dunkles Nachtwesen äußerst sonnig charakterisiert war. Durch ihre Faszination für das Nachtreich verbringt Letty beinahe ihre gesamte Zeit außerhalb der Schule mit Will, anstatt etwas mit ihren ebenfalls sehr liebenswerten Freunden zu unternehmen - wie realistisch es ist, seinen Freundeskreis ständig außen vor zu lassen und dennoch so beliebt und integriert zu sein, wie es bei Letty der Fall ist, das mögen alle Lesenden für sich selbst entscheiden. Für mich waren alle Figuren authentisch dargestellt, so dass ich emotional immer direkt an ihrer Seite war.
Der Schreibstil hat mich entspannt durch die Handlung geführt, auch wenn es einige Stellen gab, die sich meiner Meinung nach ein wenig in die Länge gezogen haben. Außerdem bin ich über kleinere Logikfehler gestolpert, wie z.B. über die Tatsache, dass in Wills Gegenwart keinerlei technische Geräte funktionierten - weshalb sein Schloss ausschließlich mit Kerzen beleuchtet wurde. Bei einer spannenden Verfolgungsszene konnten sich Will und Letty dann allerdings plötzlich mithilfe einer Taschenlampe in der Dunkelheit zurecht finden. Insgesamt habe ich mich dennoch recht gut unterhalten gefühlt und der Cliffhanger am Schluss hat mich neugierig genug zurück gelassen, so dass ich wohl auch den Folgeband lesen werde.
Fazit: Der Auftaktband einer Romantasy-Reihe für Jugendliche bietet solide Unterhaltung mit kleineren Schwächen. Insgesamt hatte ich trotz der angesprochenen Kritikpunkte ein angenehmes Leseerlebnis, das ich gern weiter empfehle.