Alice und Tom kommen ursprünglich aus Seattle in den USA. Nach sie einen Schicksalsschlag ertragen mussten, hat Tom einen Camper gekauft und die beiden machen sich auf die Reise nach Kanada. Sie wollen zu den Olympischen Spielen bis nach Montreal und sich auf dem Weg dorthin noch einige schöne Orte anschauen. Bei einem Aufenthalt auf einem Campingplatz in Kanada treffen sie schon auf der Zufahrtsstraße und dann auch auf dem Campingplatz auf ein sehr junges Pärchen. Die beiden nennen sich Ocean und Blue heißen aber in Wirklichkeit Jenny und Simon und sind anscheinend auf der Flucht, denn sie werden wohl polizeilich gesucht. Die beiden nehmen Alice und Tom als Geisel in deren eigenem Camper und unglaublicher Roadtrip beginnt.
Lange mussten wir auf ein neues Werk von Chevy Stevens warten, doch das Warten hat sich gelohnt.
Die Geschichte spielt im Jahr 1976 als die Olympischen Spiele tatsächlich in Montreal/Kanada stattfanden. Das Jahr muss man sich beim Lesen immer wieder in Erinnerung rufen, denn es gibt z. B. noch keine Handys, Navis oder Internetcafés und dergleichen.
So harmlos die erste Begegnung zwischen dem älteren und dem jungen Pärchen beginnt, so spitzt sie sich zu.
Die beiden berichten, dass Jenny schwanger ist und sie unterwegs sind und draußen übernachten, um ein bisschen was vom Land zu sehen bevor sie dann heiraten wollen. Damit wecken sie natürlich in Alice eine gewisse Fürsorge. Sie und Tom laden die beiden zuerst zum abendlichen Grillen und später auch dazu ein, in ihrem Zelt neben dem Camper zu übernachten. Am nächsten Tag nehmen sie die beiden mit, weil diese in die nächste Stadt wollen. Zufällig hört Alice eine Radiomeldung, in der die beiden beschrieben und von der Polizei gesucht werden.
Als die beiden bemerken, dass Alice und Tom ahnen könnten, wer sie sind, nehmen sie die beiden als Geiseln in ihrem eigenen Camper. Da Tom verletzt wird muss Alice den Camper unter Waffengewalt fahren und Simon bestimmt, wohin und wie es weiter geht.
Puh, was war das spannend und packend.
Und ich muss es gleich erwähnen, es gibt auch einige recht brutale Szenen, die empfindliche Menschen vielleicht triggern könnten.
Dieser Roadtrip, der mit der Geiselnahme beginnt, ist rasant, nervenaufreibend, actionreich und sehr fesselnd.
Die Stimmung ist meistens düster, voller ständiger unterschwelliger Gefahr. Ich habe sehr mit Alice und Tom mitgefiebert und ständig gefürchtet, dass es zum Äußersten kommt, weil sich die Lage auch immer mehr zuspitzt.
Chevy Stevens macht sich die wilde und rauhe Natur Kanadas für die Handlung zu Nutze, denn die Reise führt in abgelegene Gegenden, wo es viel Natur und nur wenige kleine Städte gibt. Die Schauplätze und Landschaften kann die Autorin, die selbst auf Vancouver Island lebt, natürlich sehr eindrücklich und bildhaft beschreiben. So entsteht irgendwie auch immer mehr Hoffnungslosigkeit für Alice und Tom. Doch Alice wächst, auch aus Sorge um ihren Mann, über sich hinaus, behält die Nerven und entwickelt eine vorher nicht geahnte Stärke.
Es gibt immer wieder Entwicklungen und Wendungen, die die Spannung ständig hochhalten und das Gefühl der Ausweglosigkeit für Alice und Tom wird immer größer.
Gegen Ende gibt es dann noch mal einen Twist und die endgültige Erklärung, warum diese Gewaltbereitschaft besonders bei Simon so hoch ist und was das alles eigentlich ausgelöst hat.
Diesen Thriller kann man guten Gewissens als psychologischen Roadtrip bezeichnen und mir hat er beim Lesen zeitweise den Atem genommen. Die Handlung ist düster, bedrohlich und mitreißend, so dass sich dieser Thriller für mich schnell zum Pageturner entwickelt hat. Chevy Stevens hat es wieder einmal geschafft und mich vollständig überzeugt und beigeistert!
Fazit: 5 von 5 Sternen
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