Im Jahr 1910 trifft die junge Krankenschwester Ida eine mutige Entscheidung: sie bricht in Berlin alle Brücken hinter sich ab und fährt nach Baden-Baden, um sich dort um eine Stelle in der Naturheilanstalt Lichtental auf der Karolinenhöhe zu bewerben.
Ida macht auf der Karolinenhöhe völlig neue Erfahrungen, denn das Ehepaar Enslinger leitet die Naturheilanstalt nach den Prinzipien der Lebensreform mit Freikörperkultur und Vegetarismus. Ida gefällt vor allem die Lage des Hauses mitten in der Natur mit großartigen Blicken auf die umliegende Landschaft, die bildreich beschrieben wird. Allerdings sind ihr die Vorschriften, deren Einhaltung insbesondere von Eduard Enslinger strengstens überwacht werden, mitunter zu restriktiv. Sehr gut vermittelt werden die Auswirkungen von Licht, Sonne, dem Körper angepasste Kleidung und übermäßiger Fleischkonsum auf die Gesundheit des Menschen.
Die Charaktere werden von der Autorin lebendig und detailliert beschrieben. Alle Personen sind gut vorstellbar, auch die Gäste, von denen einige eine größere Rolle spielen. Ida schließt Bekanntschaften außerhalb der Anstalt, insbesondere mit dem Luftschiffmonteur Carl, der mit seinem ausgeprägten Technikverständnis einen guten Kontrast zu der Lebensreform bildet.
Der Schreibstil passt sehr gut zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Vielleicht empfinde nur ich das so, aber ich habe mich sofort gut 100 Jahre zurück versetzt gefühlt.
Das Cover zeigt einen Ausschnitt eines Gemäldes von Erich Heckel und passt nicht nur in der Farbgestaltung ausgezeichnet zum Inhalt.
In einem ausführlichen Nachwort geht die Autorin auf Wahrheit und Fiktion ihres Romans ein. Ein Literaturverzeichnis und ein Lesebändchen (von mir immer heißgeliebt) runden das Buch ab.
Fazit: ein gut recherchierter historischer Roman, in dem die Protagonistin selbstbestimmt ihren Weg sucht