Maevyth Bronwick wurde als Säugling am Rande der Eating Woods gefunden. Zwar wird sie von einer durchaus angesehenen Familie aufgenommen, sie ist und bleibt jedoch die Ausgestoßene in einem Dorf, das in allem böse Omen sieht und sektengleich den Roten Gott Caedes anbetet. Regelmäßig werden sündige Gemeindemitglieder geopfert, indem man sie in die Eating Woods schickt. Da Maeve nicht so recht in die Gemeinde passt, wird ihr erst recht seit ihr Ziehvater gestorben ist das Leben zur Hölle gemacht. Auch ihre Ziehschwester Aleysia kann ihr nicht helfen, als die Stiefziehmutter sie zwingt, einen alten, reichen Widerling zu heiraten. Die Alternative wäre ähnlich grausam. Die Ereignisse spitzen sich jedoch zu, sodass Maevyth gezwungen wird, ausgerechnet in die verfluchten Eating Woods zu fliehen. Und so trifft sie auf Zevander Rydainn, den tödlichsten Assassinen des gesamten Kontinents Aethyria. Der ist jedoch auf seiner ganz eigenen Mission, um seinen eigenen Fluch zu brechen.
Es ist äußerst schwierig, den Inhalt des 816-Seiten-Buchs zusammenfassen, ohne zu spoilern und ohne, dass es ganz komisch klingt. Schließlich passiert in diesem Werk eine Menge und man kann mit einer kurzen Zusammenfassung dem Worldbuilding überhaupt nicht gerecht werden. Schon zu Beginn ist die düstere Atmosphäre spürbar. Das Dorf, in dem Maevyth lebt, ist in vielerlei Hinsicht grausam und auch ihre Familie, die ihr Geld mit Bestattungen verdient, sorgt direkt für die ersten Eintragungen der Triggerliste ganz hinten im Buch. Selten sind mir in einem Buch derart viele unsympathische Charaktere auf vergleichsweise so wenig Seiten begegnet ob beim Kult, der Familie oder anderswo. Für mich war es zunächst etwas schwer, in die Erzählung einzutauchen, weil ich mich wirklich konzentrieren musste, um das Gelesene die Welt zu verstehen. Gerade zu Beginn ist das Worldbuilding sehr dicht und ich hatte Sorge, etwas Wichtiges zu verpassen, wenn ich nicht ganz aufmerksam lese.
Nach etwa 250 Seiten habe ich aber sehr gut ins Buch gefunden und sobald man die Eckpfeiler und Grundbegriffe verstanden hat, ist man voll im Geschehen. Das Buch wirft immer wieder geschickt Fragen auf, die dann jedoch gut gelöst werden und den nächsten Stein anstoßen. Dies trägt deutlich zur Sogwirkung bei, die das Buch auf mich hatte. Die Welt mit ihren vielen dunklen Facetten ist sehr gut ausgearbeitet und es hat mir Spaß gemacht, in diese Finsternis abzutauchen. Für meinen Geschmack waren die (Body-)Horror-Elemente passend dosiert und ich war von den Einfällen der Autorin begeistert.
Sehr schön ist zudem, dass das Buch aus zwei Perspektiven geschrieben ist. Zevander wird so greifbar und man kann die Welt aus Anathema nochmal mit anderen Augen sehen, während man mit Maeve nach und nach aufdeckt, was es mit der Magie und den Glyphen überhaupt auf sich hat.
Zum Ende hin steigt die Spannung dann nochmal stark, vieles wird geklärt aber es bleibt ein starker Cliffhanger. Ich kann das Buch sehr weiterempfehlen und würde definitiv dazu ermutigen, sich nicht von den ersten 250 Seiten demotivieren zu lassen. Für diesen Part gibt es von mir auch einen halben Stern Abzug, sodass ich bei starken 4,5 von 5 Sternen lande.
Jetzt heißt es bis zum 02. November 2026 auf den zweiten Band, Eldritch, warten.