Im abschließenden Band der Trilogie begleiten Leser die Nachfahren der Familie Kaiser nun ab Mitte 61 in der DDR.
Es war schön, wieder nach Dresden abtauchen und all die verschiedenen Lebenswege weiter verfolgen zu können. Da die Lektüre der ersten beiden Bände bei mir bereits etwas zurücklag, habe ich ein paar Momente gebraucht, um mich bezüglich der Protagonisten und deren Beziehung zueinander wieder zu orientieren; fand dann aber gut in den Lesefluss.
Im Angesicht des Sozialismus steht nun nicht nur die Otto Kaiser KG neuen Einschränkungen und Herausforderungen gegenüber. Der Plot wird erneut abwechselnd aus verschiedenen Sichtweisen erzählt und bezieht mehrere Generationen mit ein, sodass Leser einen gut Einblick in das Leben junger Erwachsener in der DDR bekommen.
Verschiedenste historische Details sind dabei wie gewohnt sehr gut herausgearbeitet, wodurch die Handlung jedoch immer mal wieder etwas nüchterner zu lesen ist und ich nicht ganz die Nähe zu den neuen Protagonistinnen aufbauen konnte, die ich in den ersten beiden Bände hatte. Der dritte Band ist für mich ein Stück nachdenklicher, weniger zielgerichtet und ruhiger. So sind vor allem Juttas Abschnitte sehr reflektiert auf Innenschau ausgelegt und beinhalten starke Aussagen. Die gesamte Handlung hält immer wieder gute Aufarbeitungen und Denkanstöße zu Themen wie Schuld, Vergebung sowie Freiwerdung bereit und fungiert ein bisschen als Zusammenführung offengebliebener Fäden und Handlungen.
Sylvia B. Barron verwebt wie gewohnt unglaublich interessante und informative Gedanken zu einer Geschichte, deren hoher Informationsgehalt von gut ausgearbeiteten Charakteren bereichert wird. Die Diversität der Lebenslagen innerhalb der Familie Kaiser stellt die Zerrissenheit und die tiefgreifenden Folgen der traumatisierenden Jahrzehnte in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf so vielen Ebenen unglaublich gut dar. Besonders herausragend finde ich, dass Unsicherheiten bezüglich Glaubensfragen und Gottes Charakter einen ebenso differenziert aufgearbeiteten und stimmigen Platz in der Geschichte bekommen. Der Glaubensbezug ist feinfühlig und lebendig gestaltet und wie immer ein absolutes Highlight.
Trotz der enorm hohen Kunst der Autorin, historisch tiefgreifende Themen meisterhaft in Romanform zu verarbeiten, benötigt man keine eigene geschichtliche Expertise, um die Familien-Saga zu lieben. Es ist unglaublich faszinierend, was für eine Zeit enormer gesellschaftlicher und politischer Umbrüche das vergangene Jahrhundert in Deutschland war. Der Roman schafft es, soziale und emotionale Folgen dessen sichtbar zu machen.
Es war super spannend und bereichernd, wieder ganz andere Charaktere aus der Kaiser Familie begleiten zu können und der Autorin ist erneut eine herausragende Mischung aus Bildung und Unterhaltung gelungen! Ich kann die gesamte Trilogie wärmstens empfehlen.