Das gute Leben durfte ich kostenlos im Rahmen einer Rezension über NetGalley hören.
Entdeckt hatte ich das Buch schon eine Weile vorher und war unheimlich gespannt darauf, weil es mich thematisch auf Grund meiner eigenen Familiengeschichte sehr angesprochen hat und die Leseprobe sich sehr vielversprechend las.
Da es mir als Buch zunächst nicht zur Verfügung stand und mein Budget für Bücher schon aufgebraucht war, habe ich mich dazu entschieden, einen Versuch mit dem Hörbuch zu machen, das mich aber letztlich nicht überzeugen konnte.
Zwar hat die Leserin eine grundsätzlich angenehme Stimme, für mich jedoch liest sie zu gleichförmig.
Ich bin immer wieder daran gescheitert, den vielen Zeit- und Personenwechseln der Erzählung zu folgen, diese waren für mich nicht deutlich genug heraus hörbar, sodass ich den Geschehnissen nicht gut folgen konnte und nicht alle Zusammenhänge mitbekommen und verstanden habe.
Hier hätte ich mir eine klarere Differenzierung gewünscht.
Zudem ist das Buch thematisch schon eher größtenteils schwer und wird für mein Empfinden durch die Tonmodulation der Leserin beständig in diesem schweren Gefühl gehalten.
Es kommen kaum leichte Momente auf, sodass es sich für mich schließlich schleppend und drückend angefühlt hat und ich mir den Schluss nicht mehr angehört habe, weil es sich nach zu viel anfühlte.
Ich hätte mir hier eine variantenreichere Sprechweise gewünscht, vor allem für Anni und Christina, deren von mir herausgelesene, sehr subtile, aber doch vielschichtige Emotionalität ich nicht ganz hören konnte.
Die Feinheit von Anni, die hier so ausschließlich garstig wirkt, aber doch eigentlich auch so viel Gefühl für Christina hat, geht mir zu sehr unter.
Um zu heilen, müssen wir verstehen; eine Anni muss in ihren vielen Facetten gesehen werden, finde ich, nicht nur in ihrer Bissigkeit und Schwere.
Das Buch ist gut geschrieben und sehr berührend; ich habe damit das Gefühl, mich ein klein wenig auf den Spuren meiner Großmutter, deren Generation, bewegen, etwas mehr verstehen und nachfühlen zu können. Der Frage auf den Grund zu gehen, wo diese Härte herkam, die dort oft spürbar ist, in den Betroffenen.
Abschließend würde ich mich deshalb für das Buch entscheiden, anstelle des Hörens. Vielleicht hole ich das irgendwann noch nach.
Ich denke zwar, dass es im Wesentlichen eines der Bücher bleibt, die eher mit Melancholie arbeiten, die vorwiegend die weniger rosigen Seiten der Ost-Geschichte fühlbar aufzeigen, die ja auch da waren und ihre Berechtigung haben, denn diese Geschichte war unbestreitbar enorm schwer, dennoch vermute ich, dass beim Selbst-Lesen die Zusammenhänge klarer werden, die Stimmungen variabler fühlbar.
Das gute Leben ist für mich so ein Buch, das ich in der Hand haben muss, das Zeit braucht. Zum immer mal wieder Zurück-Blättern, Nachlesen, Wirken-Lassen, Abtasten, Neu-Spüren; eine Chance hat es allemal verdient.
Sehr schön finde ich die Beschreibungen von Stimmungen, jahreszeitlichen Eindrücken, Begegnungen - ich konnte die trockene Sommerhitze fühlen, die reifen Trauben sehen und riechen, das Misstrauen und den Groll zwischen Nachbarn spüren; Nadine Schneiders Art, zu schreiben hat etwas sinnliches, fast nüchtern poetisches, das mir gefällt und Bilder in mir gemalt hat.