Nicht zum Besten ist es um das Weingut Wenninger bestellt, denn auch im Jahre 1899 kommt es immer wieder zu Reblausproblemen. Zudem birgt der Familienvater ein streng gehütetes Geheimnis. So kommt es, dass Tochter Klara über eine weitreichende Entscheidung nachdenkt, um das Anwesen zu retten.
Bestens recherchiert hat Martina Frey, sodass sie die historischen Fakten rund um den Weinbau im ausklingenden 19. Jahrhundert realistisch zu Papier bringt. Die Schwierigkeiten, in denen Gustav steckt, könnte es durchaus so gegeben haben, die Rollenbilder mit dem Mann als Versorger und der Frau, welche sich sittsam fügt, ebenso. Erfrischend ist die Figur der Großmutter, welche Klara immer wieder darin bestärkt, sich für die Reben und den Wein zu interessieren, auch wenn das eigentlich die Aufgabe ihres Bruders sein sollte. Und natürlich ist es Klara, die die gebotenen Tugenden immer wieder über den Haufen wirft und sich selbst in unmögliche Situationen hineinmanövriert. Gefangen zwischen gesellschaftlichen Konventionen und eigenen Ideen, zwischen Loyalität gegenüber der Familie und dem Ruf ihres Herzens, muss Klara irgendwann eine Entscheidung treffen. Die Wendungen und Überraschungen im Laufe des Geschehens sind Martina Frey sehr gut gelungen. Flüssig läuft die Handlung dahin, spannend sind die Charaktere und deren Entwicklung. So ist es kein Wunder, dass man mit Freude dranbleibt am Buch, um zu erfahren, wer am Ende den Sieg davonträgt.
Ein warmherziger Ton, Personen, die sich Fehler eingestehen können und ein idyllisches Weingut, hervorragend eingebettet in die Zeit um 1900, damit punktet dieser Roman, den ich gerne für gemütliche Lesestunden empfehle.